Mittwoch, 10. Oktober 2012

behind your eyes - Kapitel 18

Es war ein warmer Tag im Herbst, als ich durch die Geschäfte streifte und neue Kleidung besorgen wollte. Mein Bauch war deutlich sichtbar geworden, jetzt war es so weit, dass ich den Umstand nicht weiter verschweigen konnte. Carver war mehr als stolz auf seine geleistete Arbeit und ließ auch keinen Moment verstreichen, mir das mitzuteilen. Außer es war ein Treffen der Scorpions. Eigentlich wollte er, dass ich mich davon fernhielt, aber das lies ich mir nicht verbieten und so nahm mich Eric jedes Mal mit. Es war ein komisches Gefühl, in den Kreis zutreten und so zutun, als hätte sich nichts geändert. Carver verbrachte die Treffen mit den anderen, während ich die Zeit totschlug und mich mit irgendwem unterhielt. Lediglich die Rennen durfte ich nicht mehr besuchen. In dem Punkt waren sich Carver und mein Bruder einig. Da diese illegal waren, sollte ich mich davon fern halten. Sollte einmal die Polizei auftauchen, würde mir der Stress der Ermittlungen ersparrt bleiben. Schweigend starrte ich ein Kleid an, welches im Schaufenster hing. Bordeauxrot, kurzer Schnitt und figurbetont. Es gefiel mir gut, irgendwo ärgerte es mich gerade, dass ich so etwas mit meiner Kugel nicht tragen konnte. Der fünfte Monat machte sich wirklich bemerkbar. Doch der Gedanke an den Jungen, den wir kriegen würden ließ mich erleichtert über diesen Umstand hinweg sehen. Langsam schlenderte ich zum nächsten Geschäft, als sich mein Handy urplötzlich zu Worte meldete. Eine Nachricht von Eric.
Wir brauchen dich, wo steckst du?
Erschrocken betrachtete ich mein Handy, was wohl geschehen war, dass Eric mir solch eine Nachricht schickte? Eilig wählte ich seine Nummer in die Tastatur und hob ab, dass er auch nie anrufen konnte, wenn es wichtig war. In der Leitung klingelte es vielleicht zwei Mal, als ich weggedrückt wurde. Irritiert nahm ich das Handy runter und starrte es an. Wieso schrieb er mich an, wenn er mich dann wegdrückt?
Ich kann nicht reden, schreib mir einfach, wo du bist, Mason holt dich!
Jetzt war ich erst recht verwundert, ließ mich trotzdem nicht davon abhalten ihm zu antworten. Schnell tippte ich meinen Standort in die Tasten, ohne weitere Fragen zu stellen. Er wüsste schon, was er machte. Immerhin stand er mit beiden Beinen fest in der Realität.
Geh bis zum 418, in 10 min wirst du abgeholt
Das 418 war eine kleine Halle, etwas abgelegen von der City, dennoch ziemlich zentral. Zumeist diente es uns als Treffpunkt, wenn wir die Stadt unsicher machen wollten, ansonsten stand das Gebäude fast immer leer. Irgendwann war hier mal eine Tanzschule drin, doch diese lief nicht so gut und nun vermietete man die Halle für irgendwelche Veranstaltungen. Schnell eilte ich die Straße hinunter, es waren nur ein paar Meter, die mich vom Ziel trennten, aber es kam mir vor wie eine halbe Ewigkeit.

Erst als Mason eintraf, bekam ich für einen Moment ruhe, doch im selben Augenblick überkam mich die Angst, das irgendwas mit meinen Eltern sein würde. Wieso sollte Mason mich sonst holen?
»Was ist passiert?«, fragte ich aufgebracht und starrte meinen Exfreund an. Ohne Worte drückte er mir den Helm in die Hand und mir wurde bewusst, dass die ganze Situation dringend war. Schnell zog ich den Helm über meinen Kopf und setzte mich hinter ihn. Sofort drehte er seine Maschine und fuhr an. In störte es nicht einmal, dass ich mich nicht richtig festgehalten hatte und beim ersten Ruck drohte runter zu fallen.
»Blake ist mit ein paar seiner Leute im Treff aufgetaucht. Carver war alleine. Sie haben ihm übel zugesetzt und jetzt will er noch ein Rennen gegen ihn fahren. Du musst ihn davon abbringen, das ist purer Selbstmord!«, schrie Mason. Erschrocken von seinen Worten spürte ich wie mein Herz schneller schlug. Ich umklammerte ihn erneut, da ich aufgrund des Satzes lockerer gelassen hatte, und starrte stur gerade aus.
»Wieso war Blake da?«
»Ach keine Ahnung, irgendwas Privates. Du kennst ihn, er klärt mich nicht auf«, sagte Mason und fuhr scharf um eine Kurve. Augenblicklich verkrampfte ich mich in seinem Hemd und presste die Lider zusammen, ich hasste es, wenn er so fuhr.

Ich spürte den Fahrtwind, der meine Wangen sanft streichelte, und riss abrupt die Augen auf. Die Straße vor mir war dunkel, lediglich zwei oder drei kleine Lichtquellen waren ziemlich weit entfernt vor mir. Ich starrte starr auf die Straße und legte mich leicht in die Kurve, der Bock unter mir fing an zu ruckeln, augenblicklich streifte mein Knie den kalten Asphalt und riss meine Hose auf. Der Schmerz, der sich durch mein Bein zog, ließ mich scharf die Luft einziehen, ich musste einen klaren Kopf bewahren, sonst würde ich vom Motorrad fallen. Irgendwas brachte mich dazu, einfach weiter zu fahren, nicht anzuhalten. Mir war bewusst, dass ich die Lichter erreichen musste, auch wenn ich den Grund nicht kannte. Langsam beugte ich mich nach vorne und verringerte den Windwiderstand, damit ich noch schneller voran kam. Ein Blick auf das Tempometer verriet mir, dass ich bereits bei zweihundert km/h angekommen war. Mein Bein fühlte sich taub an, der Schmerz, welcher von meinem Knie hochzog, war wie weg, dafür hatte ich das Gefühl, ich könnte es nicht mehr bewegen. Die Lichter wurden immer größer, ich konnte erkennen, dass sie ebenfalls von Motorrädern kamen. Aus einem mir unbekannten Grund zogen sie mich immer weiter in ihre Richtung. Kurz bevor ich sie erreicht hatte ruckelte die Maschine erneut, doch stärker als zu vor. Es kam vom Vorderrad. Mit Gewalt versuchte ich den Bock zuhalten, doch genau in diesem Moment zog sie nach rechts weg. Der harte Aufprall auf dem Asphalt ließ mich aufschreien. Einige Meter schilderte ich über den Boden, drehte mich zwei, drei Mal um meine eigene Achse und hatte das Gefühl, jeder einzelner meiner Knochen wäre gebrochen. Dieser Schmerz durchzog unaufhörlich meinen Körper. Urplötzlich blieb ich auf dem Asphalt liegen, regungslos und merkte, wie mein Bewusstsein davon schwand. Das einzige, was ich noch vernahm war eine Stimme, einen schwachen Hauch
»nicht jetzt...«

Mein Herz raste in meinem Körper, während meinen Lippen ein schriller Schrein entglitt.
»Was ist los Alexa?«, drang Masons Stimme zu mir und augenblicklich registrierte ich, dass ich immer noch auf seiner Maschine saß. Meine Körper wurde von einem feuchten Schauer übersät, der durch den Fahrtwind meine Haut abkühlte.
»Nichts weiter, ich hab mich nur gerade an etwas erinnert«, sprach ich aus um Mason zu beschwichtigen. Was sollte ich ihm auch sagen? Das ich Visionen durch das Baby bekam? Wobei sich mir die Frage auftat, ob es überhaupt eine war. Es fühlte sich so realistisch an. Die Schmerzen, die ich gespürt hatte, lagen immer noch in meinem Körper. Mason stoppte seine Maschine und drehte sich zu mir.
»Alexa, sag mir die Wahrheit, was war los? Du bist kreide bleich!« Ich schüttelte leicht den Kopf, während ich mir das Gesehene nochmal durch den Kopf gehen ließ. Wer war die Person auf der Maschine? Starr lagen meine Blicke auf Masons Rücken, ich konnte nicht wegsehen, die Gedanken an das was eben gewesen war, waren zu fesselnd. Mason merkte, dass ich nicht mit ihm darüber reden wollte, folglich fuhr er wieder an und legte das letzte Stück bis Carver Haus zurück. Augenblicklich sprang ich von der Maschine ab und zog den Helm ab. Mason blieb auf dem Motorrad sitzen, während er seine Blicke zu mir wendete. Ohne ein Wort abzuwarten, machte ich mich auf den Weg zu Gebäude und hämmerte hart gegen die Türe. Erst dann fielen meine Augen auf die Umgebung. Nicht ein Motorrad war zu sehen, lediglich Mason, der seinen Blick starr auf mich gewendet hatte. Irgendwie kam mir die ganze Situation komisch vor. Ich drehte mich wieder zur Türe und klopfte ein weiteres Mal, lauter als zuvor. Erst das Geräusch des Anlassers der Blackbird stoppte mich in meinem Handeln. Schockartig fuhr ich herum, während Mason zurück zur Straße fuhr.

Die Tür öffnete sich einen Spalt und so schob ich sie gänzlich auf. Der ganze Raum war in Dunkelheit gehüllt, alle Fenster waren verdeckt, lediglich das Licht, welches aus meinem Rücken in den Raum fiel, schenkte mir ein bisschen Sicht. Immer mehr überkam mich das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht stimmte. Langsam machte ich einen Schritt in den Raum.
»Carver?« Meine Stimme durchdrang die Stille im Zimmer, doch nirgends regte sich etwas. Zögerlich trat ich weiter in den Raum, während ich in meiner Tasche nach meinem Handy wühlte. Als Lichtquelle hielt ich es vor mir und trat noch einen Schritt weiter rein. Urplötzlich zog sich alles in meinem Körper zusammen, als die Tür hinter mir ins Schloss fiel. Schockartig drehte ich mich um und schrie einen Moment auf. Erst als ich mich beruhigt hatte und mir mehrfach sagte, dass hier alles in Ordnung ist, konnte ich wieder klare Gedanken fassen.
»Carver, das ist nicht lustig, komm raus.« Das Zittern meines Körpers konnte ich nicht unterbinden, trotz des Gedankens, dass es lediglich mein Freund sein konnte, der sich hier einen miesen Scherz erlaubte, schaffte ich es nicht. Ein kaltes Lachen durchdrang den Raum. Es war eindeutig hinter mir. Hastig fuhr ich um meine eigene Achse, das Handy griff bereit, damit es mir Licht spendete, versuchte ich die Person vor mir zu erblicken. Mein Herz raste und jagte das Blut durch meinen gesamten Körper, doch im Schein des Handys war niemand zu sehen. Hastig bewegte ich das kleine Elektronikgerät durch die Luft, bis der Standbymodus anging und der Raum abrupt verdunkelte.
»Scheiße«, fluchte ich leise, drehte das Gerät zu mir und drückte auf die Tasten. Wieso hatte ich den Lichtschalter an der Tür nicht betätigt? Neben mir ertönte das Knarren der Bodenleiste, und bevor ich mich hätte regen konnte, wurde mein Arm feste umschlossen. Durch einen Ruck fiel mein Handy scheppernd zu Boden und ließ mich einige Schritte zurückgehen. Mein Arm schmerzte unter dem Griff, als ich bereits gegen die Wand gedrückt wurde.
»Carver, du tust mir weh!«, sprach ich aus, während ich mit meinem Arm vor mir herfuchtelte. Unter allen Umständen wollte ich versuchen ihn zu ergreifen. Abrupt streifte ich den Arm meines Gegenüber und fuhr daraufhin mit meiner Hand ein Stück zur Seite. Schon lag diese auf den Oberkörper, des Mannes, dem ich den wahrscheinlich größten Schrecken meines Lebens zu verdanken hatte. Unmittelbar spürte ich eine breite Narbe unter meinen Fingern. Die Person vor mir konnte nicht Carver sein. Noch nie hatte mein Freund ein Wundmal auf dem Brustkorb, lediglich der Rücken war von einigen überzogen. Ein leises Lachen drang zu mir durch, gefolgt von Worte, die meinen ganzen Körper zum Zittern brachten.
»Jaden ist nicht hier, er musste was erledigen.« Diese dunkle Stimme durchfuhr jede einzelne Zelle in meinem Körper.
»Blake«, hauchte ich aus und versuchte mich aus dieser Situation zu befreien, doch mit jeder Windung festigte er seinen Griff noch ein Stück, bis ich vor schmerz keuchte.
»Du kommst mit uns, Carver wird nachkommen.« Ruckartig drängte er mich zur Türe und zog mich raus.

behind your eyes - Kapitel 17

»Alexa, ich habe Angst. Ich fürchte mich davor, dass dir oder dem Baby was wiederfahren könnte«, hauchte Carver durch die Stille und zog mich an sich. Zärtlich strich er über meinen Rücken, während ich mich näher an ihn lehnte. Dieses Gefühl sollte ihn nicht heimsuchen. Mir gefiel der Gedanke gar nicht, dass ausgerechnet er sich vor dem Unbekannten fürchtete. Einige Zeit lagen wir einfach so da, keiner wusste, was er dem anderen sagen sollte und doch waren wir füreinander da.
»Was hältst du davon, wenn wir zu dir fahren und uns einen ruhigen Abend zu zweit machen? Hier werden wir nicht wirklich ruhe kriegen, in etwa einer Stunde kommt mein Vater auf die Idee einen Spieleabend zu machen«, wisperte ich und blickte dem Angesprochenen in seine roten Augen. Augenblicklich hellte sich seine Mine auf, selbst ein leichtes Lächeln zog sich über seine Lippen. In seiner selbstbewussten Art gefiel er mir weitaus besser, als eben, obwohl dies genauso zu dem Mann an meiner Seite gehörte. Sanft strich ich ihm eine verirrte Strähne aus dem Gesicht und hauchte ihm darauffolgend einen Kuss auf den Mund.
»Ich wüsste ganz viele Sachen, die wir machen könnten. Angefangen dabei, dass ich uns beiden etwas leckeres Kochen, danach vielleicht einen Film schauen, einfach nur so daliegen und die Zeit verstreichen lassen oder wonach es uns beliebt«, fügte ich meinen Worten bei.
»Mir fällt da jetzt schon einiges ein«, wisperte er, als sich seine Hand auf meine Wange legte.
»Ich habe drei Monate verschwendet, da gibt es eine Menge nachzuholen. Aber vorher bekomm ich noch Besuch.« Sogleich dirigierte er mein Gesicht näher an seines, presste seine Lippen furch auf meine und drang augenblicklich mit seiner Zunge in meinen Mund. Mir war klar, das dies dazu diente einen Protest im Keim zu ersticken, dennoch spürte ich seine Zuneigung zu gern, um mich dagegen zu währen. Sanft schlängelten seine Finger an meinem Rücken hinab und sorgte für einen wohligen Schauer auf meiner Haut. Erneut wurde mir wirklich bewusst, wie sehr ich ihn vermisst hatte und wie froh ich darüber war, dass er endlich zu mir zurückgekommen war. Widerwillig löste ich mich aus diesem Kuss und setzte mich auf. Mit einem leichten Lächeln sah ich ihn an, als ich bereits aufstand.
»Zieh dich an, duschen kannst du bei mir«, raunte Carver mit einem schelmischen Grinsen und nahm mir somit meine Worte aus dem Mund. Nur Zugern wüsste ich, was er sich gerade in seinem Kopf ausmalte, doch ohne nachzuhaken, ging ich zu meinem Schrank und holte sogleich einige Kleidungsstücke hervor. Fix landeten welche in einer Tasche, bevor ich mir eine Hose und ein Shirt überzog. Sowie ich fertig war, machten wir uns auf den Weg nach unten und zu ihm. Das Essen war schnell zubereitet, wir hatten keine Lust vorher noch in einen dieser dauergeöffneten Läden zufahren und so zauberte ich eine Kleinigkeit aus dem, was er im Haus führte.

»Du hast gekocht, ich spül ab. In der Zeit kannst du bereits duschen gehen, so vergeuden wir nicht eine Sekunde unserer kostbaren Zweisamkeit. Außerdem kommen nachher noch die Jungs vorbei«, sprach Carver nach dem Essen, als er mir einen Kuss aufdrückte und mich danach Richtung Bad drängte. Skeptisch, warum er mich so eiligst im Bad wissen wollte, machte ich mich auf den Weg. Hinter mir ließ ich die Tür ins Schloss fallen, griff unmittelbar zum Wasserhahn und drehte das erlösende Nass an. Die Kleidung hatte ich zügig von meiner Haut gestreift und so stellte ich mich sofort in die Dusche. Das warme Wasser prasselte auf meinen Körper nieder, schnell schäumte ich mich ein, nur um mich danach richtig zu entspannen. Dieses Gefühl, als würde die Flüssigkeit einfach alle Sorgen von einem Waschen, war beruhigend und zog mich vollkommen in seinen Bann.
Erst als sich die Türe der Kabine öffnete, regte ich mich und fuhr direkt herum. Vor mir erblickte ich Carver, dessen Blick einen Moment besorgt auf mir lag, sich aber sofort wieder wandte und an meinem Körper hinabglitt.
»Ich wollte nachsehen, ob alles in Ordnung ist. Du bist bereits eine halbe Stunde hier drunter«, sprach er leise aus, während sich seine Hand auf meinen leicht gewölbten Bauch ablegte. Behutsam streichelte er über diesen. Ohne ein Wort abzuwarten, trat er in die Dusche. Vollkommen ungeachtet davon, dass er bekleidet war und seine Sachen durch den Wasserstrahl durchtränkt wurden, drängte er sich an mich. Schon legten sich seine Hände auf meinen Rücken und zogen mich an seinen Brustkorb. »Ihr zwei seid das Beste, das mir in meinem Leben passieren wird. Du hast mir gezeigt, dass Distanz nicht alles ist«, raunte er in mein Ohr und begann mit Beenden seines Satzes meinen Hals zu liebkosen. Auffordernd wanderten seine Hände über meine Haut und verursachten dabei eine leichte Gänsehaut. Langsam küsste er sich an meinem Körper hinab. Vom Hals übers Schlüsselbein hielt einen Moment an meiner Brust an, um fahrig seine Lippen um den Nippel zu legen und eben diesen mit leichtem Saugen zu reizen, bevor er weiter hinabging. An der Wölbung meines Bauches hielt er inne, legte seine Stirn dran und sprach.
»Ich verspreche dir, ich werde deine Mutter zur glücklichsten Frau der Welt machen.« Im selben Moment stöhnte ich auf, da sich seine Hand unbemerkt einen Weg in meine Mitte gesucht hatte und er nun fordernd mit einem Finger in mich eindrang. Lächelnd lehnte ich mich gegen die kalten Fliesen, allein seine Anwesenheit verursachte die pure Lust ihn zu spüren und nun schien er mir so nah.
Carver wusste, was er wollte, bereits als er ins Bad trat, doch wurde mir das erst bewusst, als er das Wasser abstellte und mich aus der Dusche zog. Augenblicklich legte sich ein Arm in meinen Rücken, während der zweite in meine Kniekehlen drückte und mich anhob. Begierig schritt er bis ins Schlafzimmer und setzte mich auf seinem Bett ab.
»Lass mich dich verwöhnen«, raunte er mit bebender Stimme, während sich seine Hände auf meine Knie bettete und meine Schenkel begehrlich auseinander drückten. Einen Moment betrachtete er schelmisch meine Mitte, ehe er für mich unerwartet sein Haupt senkte und lüstern mit seiner Zunge über meine Spalte strich. Keuchend krallte ich meine Hände in das Laken unter mir und versuchte Halt zu finden, um mich nicht in meinen Empfindungen zu verlieren. Seine Arme legten sich um meine Beine und umgriffen meine Mitte. Die eine wandte zielsicher an meinem Oberkörper hinauf und umgriff fahrig meine Brust, während die andere meine Mitte aufsuchte. Zärtlich spreizte er mit seinen langen Fingern meine Scham, nur um danach mit seiner Zunge begierig über meinen Kitzler zu streichen und als nächstes zu umkreisen. Stöhnend versuchte ich meinen Körper unter Kontrolle zu halten und ihm nicht gleich meine Hüfte entgegen zu drängen.
Sanft umschlossen seine Lippen meine Knospe und saugten einen Augenblick daran. Ein starker Impuls fuhr sogleich in meinen Schoss, welcher dafür sorgte, dass ich einen Moment die Kontrolle über meinen Körper verlor und mein Becken abrupt anhob. Schon verlagerte er etwas Kraft auf seine Hand und drückte meine Hüfte unverzüglich wieder zurück auf die Matratze. Langsam erhob er sein Haupt. Sein Blick von Lust verschleiert fuhr mir direkt bis ins Mark und ließ in mir ein unaufhörliches Verlangen wach werden.
»Gedulde dich, Babe, ich fang gerade erst an«, raunte er mir entgegen. Augenblicklich drängte er seinen Kopf erneut zwischen meine Schenkel und stieß unvermittelt seine Zunge in meine Öffnung.
»Carver«, stöhnte ich hervor, während sich meine Finger krampfhaft ins Laken drückten. Doch dies hinderte ihm nicht daran weiterzumachen, stattdessen fuhr sie darauffolgend erneut zu meinem Kitzler, um diesen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Jede kleinste Regung seinerseits durchzog augenblicklich meinen Körper und sammelte sich erwartungsvoll in meinem Schoss. Seine Hand ließ von meiner Brust ab, wanderte fahrig an meinem Körper hinab, zielstrebig über meinen Oberschenkel, ebenfalls zu meiner Mitte. Ich spürte wie mich die Erregung vollends einnahm, es würde nicht mehr lange dauern und ich könnte dieser nicht standhaft bleiben.

Erst als das Geräusch einer ins Schloss fallenden Türe in den Raum drang unterdrückte ich meine Ekstase.
»Carver...«, stöhnte ich erneut aus und fuhr mit meinen Fingern in seinen Haarschopf. Augenblicklich zog ich sanft daran und sorgte so für eine kurze Erlösung. »Lass dich gehen Babe, wir haben alle Zeit der Welt, das ist nur Eric«, hauchte mein Gegenüber aus und versenkte im gleichen Atemzug zwei Finger in mir. Ich spürte seine Blicke auf mir, als ich meinen Kopf zurücksinken ließ und mich stöhnend dem Rhythmus seiner Bewegungen hingab. Leidenschaftlich fügte ich etwas Druck auf seinen Hinterkopf aus und drängte zeitgleich mein Becken in seine Richtung. Meiner stummen Bitte leistete er nur zu gerne folge und so merkte ich kurz darauf die Nässe seiner Zunge erneut an meiner Knospe. Carver ließ sich nicht ablenken. Fortwährend spielte er weiter mit meiner Erregung, bis ich mich letzten Endes nicht mehr halten konnte und sich die Welle der Lust explosionsartig in mir ausbreitete.

Nach Luft ringend löste ich meine Hände aus seinem Haar und legte meine Arme achtlos neben mich. Immer noch kämpfte mein Körper mit den Nachwirkungen des Orgasmus, den das Beben meines Brustkorbs schien kein Ende zu finden. Selbst als sich Carver über mich beugte und mir einen leidenschaftlichen Zungenkuss gab, wollte es nicht aufhören. Abrupt schlang ich meine Arme um seinen Nacken und zog ihn nah an mich. Die bereits kalte Nässe seiner Kleidung drang auf meine erwärmte Haut.
»Du bist wunderschön, wenn du dich fallen lässt«, hauchte er verführerisch. »Aber für den Moment solltest du dir etwas anziehen.« Mit diesen Worten löste er sich von mir und verhalf mir auf die Beine. Aus meiner Tasche zog ich Unterwäsche sowie ein enganliegendes Top und eine Shorts. Die Sachen waren eigentlich zum Schlafen gedacht, aber mir fehlte gerade die Lust, mich nochmal in eine Jeans zu quetschen.

»Hattet ihr Spaß?«, drang die gehässige Stimme meines Bruders durch den Raum und brachte Carver damit zum Lachen. Ich merkte, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. Sicherlich war farblich kein großer Unterschied zu einer Tomate vorhanden. Ich wusste, wie der Großteil der Scorpions drauf war und besonders Eric würde Spaß daran finden, mich zu ärgern. Obendrein ahnte ich nicht mal, wer alles vorbei gekommen war. Carver trat ohne Bedenken in den Raum, lässig und selbstsicher wie eh und je lehnte er sich mit dem Blick zur Couch gegen den Türrahmen, während ich mich hinter ihm aufhielt.
»Du lässt nichts anbrennen, oder?« Diese kalte Stimme gehörte eindeutig zu Mason. Augenblicklich verkrampfte sich mein Körper. Carver spannte seine Muskeln an. Abrupt faste ich sein Hemd, bereit ihn daran zurückzuhalten. Nur zu gut erinnerte ich mich an das letzte Treffen am gestrigen Abend. Ich befürchtete, dass diese Situation ebenfalls eskalieren würde.
»Wieso sollte ich auch?«, fuhr es aus meinem Freund raus. Er schien darauf bedacht zu sein, sich unter Kontrolle zu halten. Erleichtert lockerte ich meinen Griff, bis ich ihn gänzlich löste.
»Eine Frau kann man nie genug verwöhnen.« Mit diesen Worten umfasste Carver mein Handgelenk und zog mich an seine Seite. Augenblicklich sprang Mason auf und starrte ungläubig in unsere Richtung. Sein Gesicht war wie erstarrt, während seine Augen Bände sprachen. Innerlich zeriss es ihn gerade. Ich wusste genau, wie er sich fühlte. Die letzten Monate war er für mich da, kümmerte sich um mich, hörte sich meine Sorgen an oder tröstete mich, wenn ich wieder die ganze Nacht heulte. Gestern wagte er einen neuen Schritt auf mich zu und ich wies ihn ab. Doch jetzt befand ich mich an der Seite von seinem Leader und dem Mann, der mir wissentlich die ganze Zeit schmerzen zufügte.
»Du dreckiger Bastard!«, spie Mason und machte einen Satz auf uns zu, wurde jedoch von einem weiteren Mann festgehalten. Eric lehnte sich gelassen auf der Couch zurück und beobachtete das Geschehen. Ein Lächeln bildete sich auf seinen Lippen, während seine Blicke in der kleinen Runde umherschweiften.
»Mason krieg dich ein! Ich will nicht mit ihr spielen, mir ist das Ganze ernst, sonst hätte ich euch nicht hergebeten!« Carvers Stimme bebte, als sich sein Augenmerk auf meinen Verflossenen fixierte. Unvorhergesehen drehte er sich zu mir und legte seine Hände auf meine Schultern.
»Babe? Lässt du uns einen Moment alleine?« Zaghaft nickte ich und ging zurück ins Schlafzimmer. Er hatte seine Gründe, sonst würde er mich nicht rausschicken. Sogleich ließ ich mich wieder aufs Bett nieder und gab mich meine Gedanken hin, die darin abschweifen, wie es weitergehen sollte. Ich wollte nicht, dass die Freundschaft zu Mason durch diese Entwicklung zerbrach, doch zeitgleich ahnte ich, dass ich nicht beides haben konnte.

»Gabe, lass ihn los, wenn er gehen will, möchte ich ihn nicht daran hindern. Ich hatte nur damit gerechnet, dass er sich Alexa zuliebe zusammenreißt«, durchbrach Carvers Stimme meine Gedanken. Urplötzlich setzte ich mich auf und starrte zur Türe. Mein Partner stand im Rahmen, sein Ausdruck wirkte gestresst, doch legte er es sofort ab, als sein Blick zu mir schweifte.
»Kommst du? Wir wollen uns einen Film anschauen«, sprach er in meine Richtung. Augenblicklich stand ich auf und ging auf ihn zu. Im Wohnraum angekommen sah ich noch, wie Mason rausstürmte, doch davon wollte ich den Abend nicht verkommen lassen.

Freitag, 5. Oktober 2012

let me be yours - Kapiel 6

Bradley fuhr durch die halbe Stadt, zumindest machte es auf mich den Anschein, während er zielsicher durch die Straßen raste. Auf einem dunklen Parkplatz hielt er letztendlich an und erklärte mir, dass der Rückweg zu Fuß oder mit Taxi zurückgelegt wurde. Eigentlich hätte er es nicht erwähnen brauchen, denn mir war diese Tatsache bereits bewusst, als wir ins Auto stiegen, um an unser Ziel zu gelangen. Es wäre eine ungewohnte Handlung an einem Samstagabend gewesen, wenn ein junger Mann wie er keinen Alkohol getrunken hätte. Zu Fuß gingen wir die letzten Meter. Durch einige Gassen folgte ich ihm eher unsicher bis zur Einkaufspassage. Allmählich breitete sich in mir ein Unwohlsein aus, dass ich bislang nie empfunden hatte. Meine Gedanken darauf fixierend, dass der Abend nicht schlimmer enden könnte, als in meinen wochenendlichen Exessen mit meiner Clique, versuchte ich das mulmige Gefühl in meiner Magengegend zu verdrängen. Mehr schlecht als recht gelang es mir letztendlich, als wir uns durch die Massen der Menschen drängten, die mit ihren Einkäufen nach Hause wollten. Erst jetzt fiel mir auf, dass wir gerade erst frühen Abend hatten und die Geschäfte dabei waren sich zu schließen. Bradley ging einfach voran, zwischendurch warf er einen Blick zurück, um sich zu vergewissern, dass ich ihm auch immer noch folgte, aber ansonsten achtete er nur auf den Weg vor sich. Nicht ein Wort wechselten wir während des Fußmarsches. Erst, als er vor einem unscheinbaren Haus anhielt, drehte er sich vollends in meine Richtung. 
»Benimm dich einfach wie immer. Cain wird dich schon nicht auffressen. An deiner Stelle würde ich mir eher sorgen bei Cole machen.« 
»Wer auch immer«, sagte ich, da ich eigentlich gar nichts verstand. Ich wusste immerhin nicht mal, von wem er da sprach. Bradley schritt voran in einen Laden, einen Moment verharrte ich außerhalb und betrachtete diesen erst mal. Wer weiß, wann ich die nächste Gelegenheit dazu erlangen würde. ‚Sunshine Bar‘ nannte sich der Schuppen, es war eine Cocktail Bar, zumindest machte es von außen und durch den Namen den Eindruck. Schnell betrat ich das Gebäude und versuchte den Abstand zwischen mir und meinem Begleiter einzudämmen. Während meine Blicke durch die Räumlichkeit huschten, fühlte ich mich fehl am Platz. 
»Gehört die Schnitte zu dir, Brad?«, ertönte eine unfreundliche Stimme vor meinem ‚Schutz‘, die mir augenblicklich bis ins Mark fuhr. Hinter meinem Begleiter konnte ich die dazugehörige Person nicht erkennen dennoch war ich mir sicher, ihn irgendwo einmal gesehen zu haben. Bradley schien von meinem Versteckspiel nicht besonders erbaut. Umgehend drehte er sich in meine Richtung, legte einen Arm um meine Schulter und drückte mich neben sich. 
»Das ist Ricarda, sie ist die Tochter meines Stiefvaters. Ich sollte sie mitnehmen, weil sie ab sofort bei uns wohnen wird.« Seine Stimme war abgekühlt, er verstellte sich, oder hatte die Freundlichkeit gegenüber mir nur wegen Vater gespielt. Welche seine wirkliche Art war, müsste ich noch herausfiltern. Vorsichtig betrachtete ich unseren Gesprächspartner. Sein braunes, nahezu schwarzes Haar hing zottlig ins Gesicht, während seine türkisblauen Augen gefühlslos wirkten und sich keinerlei Emotionen darin spiegelten. Ein kalter Schauer fuhr über meinen Rücken, als seine Blicke auf mich trafen. 
»Geht schon mal durch, ich rede kurz mit Cole und komm sofort nach.« Bradley nickte nur und darauffolgend bugsierte er mich bereist zum Ende der Bar. Danach ging es in einen separaten Raum, indem eine kleine Tischrunde stand. 
»Das war Cain, er wirkt meist unfreundlicher, als er in Wirklichkeit ist«, versuchte mich Bradley zu beruhigen. Er schien mitbekommen zu haben, dass ich mich hier nicht wohl fühlte. Ohne seine Worte zu beachten, sah ich mich weiter um. Bei der Einrichtung der Bar wurde alles kostspielig gestaltet. Den Einzelheiten konnte man bereits ansehen, das keine Mittel gescheut wurden. Die mahagonifarbene Einrichtung wurde durch passende Accessoires abgerundet.

Wir warteten einige Zeit, vielleicht dreißig Minuten, als sich die Türe öffnete und der junge Mann von unten eintrat. Ohne ein Wort setzte er sich uns gegenüber und musterte mich von oben bis unten. Sein schelmisches Grinsen, das er dabei auflegte, war mir nicht entgangen, dennoch versuchte ich es zu ignorieren. 

»Sei etwas freundlicher als bei der Letzten. Ihr Alter macht mir sonst die Hölle heiß!« Kaum war dieser Cain in der Nähe, benahm sich Bradley wieder eiskalt, warum auch immer, irgendwann würde sich schon herausfiltern, wie er wirklich war. Cain hingegen betrachtete mich weiterhin. Vollkommen desinteressiert an den Worten, die ihm gesagt wurden, fixierte er mich mit seiner ausdruckslosen Mine. Wäre ich allein mit diesem Mann in einem Raum, hätte ich ganz bestimmt längst das Weite gesucht. Seine Art konnte einem Angst einjagen. Ich versuchte seinen Blicken standzuhalten, jetzt schon Schwäche zu zeigen, wäre sicher nicht gut. 
»Du bist also neu hier?«, seine Stimme war noch abgekühlter als vorher, sie durchfuhr meinen gänzlichen Körper und hinterließ einen sichtbaren Schauer auf meiner Haut. Allein durch dieses Gefühl, dass sie in mir auslöste, bekam ich Respekt vor diesem Mann. Mit einem leichten Nicken bestätigte ich seine Aussage. 
»Du kommst demnach nicht aus dieser Stadt? Vielleicht aus der Umgebung? Ich hab das Gefühl dich schon mal irgendwo gesehen zu haben.« 
»Nein, aus familiären Gründen musste ich hierher ziehen«, antwortete ich ihm und achtete darauf zumeist höflich zu klingen. Leider neigte ich gerne dazu jemanden mit Worten anzufahren, doch dies sollte ich hier besser vermeiden. Sein Blick löste sich von meinen Augen und wanderte ein Stück an meinem Körper hinab. Aus Reflex umgriff ich den Anhänger meiner Kette. Diese ganze Situation war mir äußerst unangenehm. Ich hasste es im Mittelpunkt zu stehen. 
»Hast wohl eine satanistische Ader, was?« 
»Nein, mir gefällt es einfach, so herumzulaufen.« Ich schüttelte den Kopf, um meine Aussage zu bestärken und schon drang ein ‚Problem damit?‘ aus meinen Lippen. Im Gegensatz zu der Erwartung einer ausfallenden Bemerkung lachte mein Gegenüber kurz auf, bevor eine quälende Stille in den Raum trat. Ich hätte nicht zuordnen können, ob es ein sarkastisches oder ehrliches Lachen gewesen wäre, doch dies schien in diesem Moment eher Nebensache. 
»Nimmst du Drogen?« 
»Wenn du gelegentlichen Zigarettenkonsum als rauschgiftabhängig ansiehst, ja. Soll ich dir nicht gleich meine Lebensgeschichte aufzählen?«, schnippte ich ihn an, so langsam nervten mich diese nervigen Fragen, die er mir stellte. Obendrein auch noch diese eiskalte Stimme als könnte man nicht normal mit mir reden. Bradley stieß mir seinen Ellenbogen unsanft in die Rippen, was augenblicklich dafür sorgte, dass sich mein Gesicht verzog. Abrupt drehte ich mich zu ihm und sah ihn entgeistert an. 
»Das solltest du besser nicht hier tun«, sprach er aus. Seinem Gesichtsausdruck zu urteilen wollte er genau diese Worte vermeiden, den kaum waren sie ausgesprochen, sah er mich entschuldigend an. Die Anspielung ließ mich kalt, mir war bewusst, dass er auf meine sexuellen Erfahrungen ansprach, doch hörte ich dies nicht zum ersten Mal. Auch wenn Daniel nicht hier war, wusste ich mich zu währen. Nun kühlten auch meine Blicke ab und mit einer nahezu so kalten Stimme, wie Cain die halbe Zeit sprach, antwortete ich nun Bradley: 
»An mir haben sich schon andere Kaliber die Zähne ausgebissen, Brad.« Wobei ich auf seinen Namen eine besondere Betonung legte. Daraufhin setzte ich mich wieder gerade hin und blickte mich im Raum um. In diesem Moment wollte ich keinen Blickkontakt mehr halten. 
»Folglich geh ich davon aus, dass du keinen Freund hast«, mit diesen Worten hatte Cain erneut meine volle Aufmerksamkeit. Mit einem Lächeln betrachtete ich ihn und sprach langsam aber sicher meine Standardworte auf diese Frage: 
»Mein Bruder hätte jeden umgebracht, der mich auch nur anfasst.«

Diese Fragerunde war längst noch nicht vorüber, demnach ging es noch einige Zeit so weiter. Bei jeder Frage sank meine Laune weiter, was meine Sehnsucht nach meinen Freunden ins Unermessliche trieb, immerhin war ich hier nicht, um irgendwelche Fragen zu beantworten. Währenddessen trafen immer wieder Leute zu uns, doch schenkte ich keinem von ihnen nähere Beachtung, da ich lediglich versuchte aus diesem Verhör mäßigen Gespräch zu entrinnen. Bradley drückte mir ein Glas in die Hand, ohne darauf zu achten trank ich einen Schluck. Das war definitiv Alkohol. Der Mischung zu urteilen Whiskey-Cola. Damit hatte er einen Glückstreffer gemacht, selbst in meinem Freundeskreis trank ich es immer. Cain hingegen ließ sich davon nicht beirren und stellte weiterhin komische Fragen. Wir waren bereits bei meinem Freundeskreis angelangt. Mehr in Gedanken als bei der Sache antwortete ich ihm beiläufig. Erst das Vibrieren meines Blackberrys riss mich aus den Gedanken, was meine Freunde wohl gerade machten.
Bist du gut angekommen? Ich mach mir Sorgen, Vater wollte mir keine Auskunft geben. 

Sofort schlich sich ein Lächeln auf meine Lippen. Es war Daniel. Eigentlich wartete ich schon den halben Tag auf eine Nachricht von ihm, da ich mich weigerte ihn zuerst anzuschreiben. Woher sollte ich auch wissen, ob er etwas von mir hören wollte. Sofort drückte ich auf Antworten, aber dann stockte ich. Eben noch so sicher in dem, was ich schreiben könnte, doch sogleich plagte mich ein schlechtes Gewissen. Wenn ich ihm jetzt sagen würde, dass ich ihn und die anderen vermisste, würde er sich sicherlich Vorwürfe machen.
Ja, alles ist gut verlaufen. Vater möchte mir eine Wohnung suchen und jetzt sitz ich bei den Freunden seines Stiefsohnes.
Schnell tippte ich die Worte ein und drückte auf Senden, bevor ich doch auf die Idee kam meine Sehnsucht hereinzuschreiben. Es war schwer genug nicht zu schreiben, dass ich lieber zu Hause wäre und hier nicht wirklich willkommen war. Daniel würde sich nur ins Auto setzen und mich sofort abholen, aber das lag nicht in seinem Sinn. Cain räusperte sich, sofort erhob ich meinen Kopf und sah ihn an. 

»Bekomm ich auch eine Antwort, oder hat dich dein Handy in seinen Bann gezogen?« Hatte er ernsthaft eine Frage gestellt, ohne das es mir aufgefallen war? Entschuldigend sah ich ihn an und setzte mein zuckersüßes Lächeln auf. 
»Verzeihung, aber könntest du die Frage nochmal wiederholen? Das war gerade wichtig.« 
»Die Frage lautete, ob du eine Tradition mitmachen würdest«, wiederholte er sich und hielt seinen Blick weiterhin auf mir. In seinem Gesicht konnte ich nicht erkennen, worauf er hinaus wollte. Normalerweise verzog sich die Mimik eines Menschen, je nachdem Hintergedanken, doch bei ihm zuckte nicht mal ein Mundwinkel. Ich schluckte kurz, seine Stimmlage zu urteilen würde das Ganze nicht gänzlich jugendfrei sein, was sich bestätigte, als ich den lüsternen Blick des schwarzhaarigen neben Cain bemerkte. Jedoch gehörte ich nicht zu denen, die Kniffen, wenn es versaut wurde, folglich nickte ich kurz. 
»Okay. Holt mal jemand Gläser?«, sprach mein Gegenüber kalt aus, als mein Handy erneut vibrierte. Eine weitere Nachricht von Daniel.
Geh sofort zu Vater, oder ich hol dich da raus!!!

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Sweet Amoris FanFiktion - Kapitel 7

Perplex wandten meine Blicke nun zu der Schwarzhaarigen, welche dem Aussehen nach zu Urteilen asiatischer Herkunft war. 
»Nein, Li, die hatte wesentlich mehr Stil!«, schnappte die Vordere, welche wohl Amber war. 
»Und nun geh uns aus dem Weg!«, fügte sie ihren Satz noch hinzu. Vollkommen verwirrt ging ich auf Seite und sah den drei kichernden Modepüppchen dabei zu, wie sie den Gang entlang stolzierten.

»Geb nichts dafür, die ist immer so«, drang die Stimme von Iris zu mir durch. Geistesabwesend nickte ich und lehnte mich an die kalte Wand. Zicken wie sie, die meinen, sie seinen das Beste an einer Schule, gab es überall. Schon auf meiner alten Schule hatte ich es geschafft diesen gekonnt aus dem Weg zu gehen und hier würde es auch klappen. 

»Ach bevor ich es vergesse, Melody bat mich dich aufzusuchen. Nathaniel will irgendwas Wichtiges mit dir klären, hörte sich dringend an.« Ich nickte leicht und hauchte: 
»Danke« aus, während ich mich bereits drehte, um den Weg zum Schulsprecherbüro fortzuführen. Zaghaft klopfte ich an die Türe und trat erst hinein, als man von innen darum bat.

Der von gleißendem Sonnenlicht geflutete Raum war wie immer aufgeräumt vorzufinden. Nathaniel stand am Schreibtisch und unterhielt sich mit der braunhaarigen Melody. Mit einem leichten Lächeln deutete der blonde Schulsprecher mir an, mich hinzusetzen. Mein Blick fixierte die beiden. Aufgeregt unterhielten sie sich, jedoch in einer Lautstärke, die mir nicht mal brauchbare Bruchstücke übermittelte. Die Brünette verkrampfte ihre Finger um die Akte in ihren Händen. Das tat sie jedes Mal, wenn sie mit Nathaniel sprach. Es dauerte einen Moment, dann drehten sich beide zu mir. 

»Melody hat ein Bild vom schwarzen Brett abgenommen. Ich bin mir nicht gänzlich sicher, würdest du es dir anschauen und mir sagen, ob du das Mädchen darauf bist?«, sprach Nathaniel aus, während er mir ein Blatt vorlegte. Das war eindeutig das Foto, welches Dakota von mir besaß. Augenblicklich spürte ich, wie die Hitze in mein Gesicht schoss und fing abrupt an etwas vor mir her zu stottern. Wenn ausgerechnet dieses Bild ausgehangen hatte, befürchtete ich das schlimmste. 
»Nach deinem Verhalten kennst du es. Weißt du zufällig, wer es aufgehangen haben könnte?«, erklang nun Melodys sanfte Stimme. Ich starrte immer noch auf das Papier vor mir und konnte es nicht fassen. Wieso tat mein Bruder so etwas? 
»Ich...«, fing ich an, doch Nathaniel hob seine Hand. Sein Blick wandte zu Melody, welche daraufhin den Raum verließ. Sofort zog er einen Stuhl vor mich und ließ sich darauf nieder. 
»Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Castiel oder dein Bruder. Dem Rotschopf trau ich es zwar zu, aber ich wüste nicht, wie er an solche Bilder gekommen sein könnte. Was Dakota betrifft, würde mir kein Grund einfallen, immerhin seit ihr verwandt.« Der Blonde starrte stur auf meine Hände, in denen sich dieses markante Bild befand. 
»Ich werde mit Dake reden«, hauchte ich leise aus und faltete derweil das Blatt zusammen. Die Gedanken darin abdriftend, wie viele dieses Foto gesehen hatten, fiel es mir schwer Nathaniels Worten weiterhin zu folgen. Die Diskussion zog sich noch ein wenig, ehe ich irgendwann geistesabwesend durch die Gänge lief.

Der Schulsprecher meinte, ich sollte erstmal etwas an die frische Luft, um einen klaren Kopf zu kriegen und danach wieder zurück in den Unterricht. Seufzend ließ ich mich auf die kleine Bank nieder und griff kurzentschlossen nach dem Papier. Was hatte sich Dakota nur dabei gedacht? Sollte das etwa die Rache sein, dass ich nicht auf ihn hörte? 

»Sexy«, drang die eiskalte Stimme des Rotschopfes durch die Stille. Erschrocken zog ich die Luft ein und drehte mich in seine Richtung. In meinen Gedanken hatte ich vollkommen vergessen, dass er sich dauernd hier draußen aufhielt und nicht in den Unterricht ging. Unverzüglich faltete ich das Bild zusammen und steckte es in meine Tasche. 
»Vergiss am besten, dass du es jemals gesehen hast. Es wird nie wieder auftauchen!«, zischte ich kalt und verkrampfte meine Finger im Stoff der Schultasche. Ein dunkles Lachen erklang von ihm, was ihm augenblicklich meine volle Aufmerksamkeit einbrachte. Sofort ließ ich meinen Kopf nach hinten auf die Lehne fallen und sah direkt in seine unergründlichen Augen. Ein schelmisches Lächeln zog sich über seine Lippen, während er seine Blicke nicht einen Moment von mir nahm. 
»Und wenn doch? Läufst du dann zu Daddy?« Abrupt wendete ich meinen Blick ab. Der Schmerz des Verlustes drang unmittelbar durch meinen Körper und schoss mir Tränen in die Augen. 
»Nein«, presste ich hervor, nachdem ich tief Luft holte und versuchte mich gedanklich abzulenken. Der Hass darauf, dass Dakota dieses Bild ausgehangen hatte, wäre mir lieber als der Gedanke an meine Eltern. Seufzend ließ Castiel sich neben mir nieder. Er schwieg einen Moment, ehe er sich ein weiteres Mal äußerte. »Mach dir keinen Kopf, Zwerg. Dich hat sicher kaum einer erkannt. Die Rolle des Mauerblümchen mimst du gut.« Seine Stimme klang wesentlich freundlicher als zuvor. Ihm schien nicht entgangen zu sein, dass mich seine Worte mitgenommen hatten. 
»Die Hoffnung besteht nicht, immerhin hast du mich auch erkannt.« Der Rotschopf stieß mir locker gegen die Schulter und setzte ein gekonntes Lächeln auf, ehe er weiter sprach 
»Bleibt nicht aus, immerhin hab ich das Bild auf dem Schulhof gefunden. Der Aufreißer hat es wohl nach der Prügelei verloren, und bis ich dich damit sah, hätte ich darauf wetten können, dass es seine heimliche Geliebte ist.« Geschockt fuhr ich in seine Richtung und starrte ihn perplex an. Seine Worte ließen nur eine Schlussfolgerung übrig. 
»Wieso?«, fragte ich entsetzt. Er lachte leise, während er sich zu mir drehte und mich genau betrachtete. 
»Ich wollte ihm eins auswichen. Hätte nicht gedacht, dass ich dabei dein kleines Geheimnis aufdecke. Aber sei froh, unmittelbar nachdem ich es aufgehangen habe, kam Melody und hat es abgehangen. Demnach können es nicht viele gesehen haben.« 
»Die Zeit reichte. Diese Modepüppchen haben es entdeckt.« Erneut lachte Castiel. Zwischen ihm und Dakota schien etwas Ernstes vorgefallen zu sein, vielleicht sollte ich mich bemühen, irgendwas darüber rauszufinden. Stillschweigend saßen wir nebeneinander und sahen uns einfach an. Keiner von uns sprach auch nur ein Wort aus. Ich wusste nicht, welches Thema ich hätte ansprechen können, deshalb wartete ich darauf, dass er die Stille durchbrechen würde. Castiel erhob zaghaft seine Hand und strich mir eine Strähne hinters Ohr. 
»Wer bist du wirklich? Das unscheinbare Mädchen vor mir oder dieses freizügige Ding auf dem Foto?« Erstaunt kam ich ins Straucheln. Diese Frage war nicht leicht zu beantworten. Optisch würde jeder sagen, dass ich dieses Mauerblümchen wäre, doch in figurbetonteren Klamotten fühlte ich mich genauso wohl. Das ich dauernd eine Schuluniform trug lag mehr an Bequemlichkeit. Mir fehlte morgens der Elan, die passenden Sachen herauszusuchen. Bei der Uniform war es einfach, so musste ich lediglich eine vollständige Garnitur raussuchen. 
»Beides irgendwie, aber doch eher das unscheinbare Ding. So umgeht man einiges an Ärger.«

»Mach dir keine Sorgen um Amber, die wird es schnell vergessen. Aber das Original bleibt in meinem Besitz. Es schadet sicher nicht, etwas gegen dich in der Hand zu haben.« sprach er lächelnd aus, es stand ihm um einiges besser, als dieser grimmige Ausdruck. Er drehte sich zum Schulgebäude, als sich plötzlich sein Blick änderte. Sofort stand er auf und schulterte seinen Rucksack. 

»Ich hau ab, bis morgen Zwerg und immer schön locker bleiben!« Schon war er verschwunden. In der Eingangstür stand ein brünettes Mädchen, das ich nie zuvor gesehen hatte, und rannte Richtung Ausgang. 
»Castiel!«, rief sie quer über den Schulhof, doch der Rotschopf ging stur vom Gelände herunter. Am Tor blieb sie stehen, sicherlich war Castiel bereits weg. Wenn er nicht reden wollte, schaffte er es dies zu umgehen.

Änderung

Die Sweet Amoris FanFiktion wurde an manchen Stellen von mir überarbeitet. Wenige Kleinigkeiten haben sich verändert, wer möchte kann sie nochmal von vorne lesen, das Verständniss dürfte allerdings auch blieben, wenn mans nicht tut.

LG Micca

Dienstag, 2. Oktober 2012

let me be yours - Kapitel 5

Verlegen sah ich zu Boden, aus irgendeinem Grund hatte ich die Hoffnung, das mein Vater die Türe öffnen würde. Es müsste idiotisch klingen, wenn ich einem Wildfremden erklären durfte, dass ich meinen Vater sehen wollte, welcher wahrscheinlich nicht einmal erwähnt hatte, dass er eine Tochter besaß. »Ich wollte Herrn Crawford sprechen, es ist dringen«, platzte es aus mir heraus, was mir sein dunkles Lachen einbrachte, als er sich lässig gegen den Türrahmen lehnte. 
 »Bist du nicht in bisschen jung um dich auf solche einen alten Mann einzulassen?« Die Frage schockte mich. Ich merkte, wie mein Gesichtsausdruck entgleiste und ich ihn geschockt anstarrte. Dies schien ihm ebenfalls nicht unbemerkt zu bleiben, den augenblicklich verschwand sein Lächeln. Es dauert nur einen Moment, da schien sich mein Gegenüber wieder gefangen zu haben. Seine Tonlage hatte sich verändert, von abschätzend fast schon spöttisch legte er nun einen beruhigenden Ton an. 
»Du bist demnach die Tochter von Sally, oder?« Ich nickte, auf das Thema wollte ich noch weniger eingehen, als Vaters Liebschaften. Beides würde mich nur zur Weißglut bringen. Hier war für mich nicht der richtige Ort, um über meine Mutter zu reden. 
 »Ist mein Vater zuhause?«, fragte ich leise und versuchte das zittern meiner Stimme zu unterdrücken. Die Nervosität musste mir allerdings ins Gesicht geschrieben sein, den ich fühlte mich sichtlich unwohl in meiner Haut. Einfach so unangemeldet in diesem Haus aufzutauchen und um Asyl zu fragen war eigentlich vollkommen unter meinem Niveau.
»Spatz, wer ist gekommen?«, drang eine Schrille weibliche Stimme durch den Flur. Sofort zuckte mein Gegenüber zusammen, peinlich berührt drehte er sich herum. Ein Grinsen konnte ich mir nun nicht nehmen lassen. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn mich jemand so gerufen hätte und vor mir eine vollkommen fremde Person stehen würde. Daniel brachte sowas hin und wieder auch, aber dann stand er hinter mir und wollte einfach nur irgendwelche Vertreter oder Sonstiges abwimmeln.
»Die Tochter von Sally«, schrie er zurück und drehte sich zeitgleich wieder zu mir. Schon griff seine Hand nach meinem Koffer. Langsam räumte er die Türe und hielt sie auf.
»Komm rein, wir gehen erstmal ins Wohnzimmer.« Irgendwie irritierte mich die Tatsache, dass er nur den Namen meiner Mutter in den Mund genommen hatte und den Vaters vollkommen ausließ, immerhin war ich die Tochter von beiden. Einen Moment betrachtete ich ihn, beschloss dann aber reinzugehen und ihm zu folgen.
Das Haus war wirklich größer, allein der Eingangsbereich war fast doppelt so groß als in unserem bescheidenem Haus. Im Moment rechnete ich damit, dass man sich hier verlaufen könnte. Der Junge ging durch den Flur stur gerade aus an einer Treppe vorbei. Kurz dahinter waren auf der rechten Seite zwei offene Schiebetüren und genau dadurch schritt er in den nächsten Raum. Das helle Sonnenlicht trat direkt durch die Außenwand ein, die komplett aus Fenster bestand. Einige Stufen führten uns in den eigentlichen Raum herein. Helles Parkett, cremefarbene Wände und eine moderne Ausstattung verzierte das Zimmer. Mittig stand ein Tisch und darum eine große Couch. Erstaunt drehte ich mich im Kreis, um auch wirklich jeden Centimeter zu sehen, als mich schon die klackernden Geräusche von Pumps aus dem Staunen rissen. Vor uns tauchte eine Frau auf, sie müsste ungefähr ende dreißig sein. Ihre braunen schulterlangen Haare fielen ihr ins Gesicht.
»Die kleine Ricarda, wie geht es dir? Hat Bradley dich ordentlich behandelt?«, sprach sie mit piepsiger Stimme in meine Richtung. Augenblicklich weckte diese Stimme Erinnerungen aus meiner Kindheit. Einen Moment schloss ich die Augen und konnte meine Mutter vor mir sehen. Ich wusste, dass ich diese Frau kannte, konnte sie aber keinesfalls zuordnen, ihr Aussehen schien so fremd.
»Alles bestens«, hauchte ich ihr entgegen, um ihre Frage nicht offen stehen zu lassen, als bereits die Türe zu unserer rechten aufgerissen wurde.
»Mami, Mami, ich schaff die Aufgabe nicht!« Mein Blick zur Seite verriet mir, dass dort ein kleines Mädchen stand, vielleicht sieben oder acht mit langen schwarzen Haaren. Freundlich lächelte ich ihr entgegen doch direkt versteckte sie sich hinter dem Türrahmen.
»Dein Vater hilft dir gleich, okay Schätzchen?« Als ich diese Worte vernahm, musste ich hart schlucken. Vater hatte demnach wirklich eine neue Familie. Ich fragte mich, warum Daniel es nie erwähnt hatte, immerhin war er jedes Mal geschäftlich hier, wenn ich auf Klassenfahrten oder sonst wo war. Mit einem Lächeln wandte sich die Frau wieder zu mir, doch ihre Blicke waren eiskalt.
»Du siehst aus wie deine Mutter. Es tut mir leid, dass sie so früh verstarb und sie sich nicht mehr um euch kümmern konnte.«
»Daniel passt sehr gut auf mich auf. Außerdem ist Vater auch noch da, wenn was sein sollte.« Sie nickte verständlich und blickte dann zu dem jungen Mann rüber. Bradley stellte derweil meinen Koffer an die Wand und ließ sich auf der Couch nieder.
»Hast du vor länger zu bleiben?« Die Freundlichkeit in ihrer Stimme war fast gänzlich verschwunden. Es war idiotisch von Daniel zu glaube, ich könnte hier auftauchen und direkt hierbleiben. Er hätte Vater vorher benachrichtigen sollen. In diesem Moment fiel mir keine brauchbare Erklärung ein und die Wahrheit wollte ich ihr nicht erklären. Ich kannte sie nicht, folglich ging sie das Geschehen nichts an.
»Oh entschuldige, ich hab mich gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Sera. Nach dem Tod deiner Mutter hab ich deinen Vater unterstützt und bin nun seit etwas zweieinhalb Jahren mit ihm verlobt.« Freudig hob sie ihre Hand und hielt mir den Verlobungsring unter die Nase.
»Du müsstest mich eigentlich noch von früher kennen, ich hab immer sehr viel mit Sally unternommen«, fügte sie ihrer Aussage hinzu, während sie sich neben Bradley auf die Couch setzte und seine Blicke auf ihn wandte.
»Setz dich Rica, ich werd Richard suchen«, sprach der Braunhaarige aus und stand auf. Zögernd setzte ich mich gegenüber von Sera und starrte auf meine Hände. Ich wollte gerade einfach nur nach Hause, diese ganze Situation war mir wirklich unangenehm. Stille trat in den Raum, die erst nach einigen Minuten durch ein Räuspern von Sera unterbrochen wurde.
»So gern ich deine Mutter auch hatte, Ricarda...wir können dich hier nicht unterbringen, du passt nicht in unsere Familie.« Verständlich nickte ich, wie hätte ich auch etwas anderes denken sollen? Vater hatte ein neues Leben begonnen, natürlich war ich bei dieser Familie nicht willkommen.
»Ricarda wird vorläufig hierbleiben. Die ersten Tag wird sie sich das Zimmer mit Bradley teilen müssen und danach entscheide ich weiter«, ertönte eine dunkle Männerstimme und ließ Sera schockartig aufsehen. Diese Stimme durchfuhr mich augenblicklich. Seit langem hatte ich sie nicht mehr gehört und dennoch fehlte mir der Mut, mich in seine Richtung zu drehen. Zu tief lagen die Schmerzen darüber, dass er uns einfach alleine gelassen hatte. Den Kontakt zu Daniel hielt er aufrecht, aber ich bekam nicht einmal einen Anruf. Statt zu ihm aufzusehen, starrte ich stur auf die Frau mir gegenüber. Mir war bewusst, dass sie diejenige war, die mich nicht hier haben wollte. Das ganze würde nichts bringen, ich wollte hier nicht für Streit sorgen.
»Ich möchte euch keine Umstände machen, ich fahr wieder nach Hause, es wird das Beste für alle Parteien sein.«
»Ricarda, setz dich!«, herrschte mich mein Vater an. Sofort ließ ich mich wieder auf das kalte Leder nieder und starrte auf meine Hände. Die Stimme des Mannes jagte mir einen Schauer über den Rücken, und als auch noch seine Schritte erklangen, die immer näher kamen, verspannten sich meine Muskeln. Aus meinen Augenwinkeln konnte ich erkennen, dass er auf die Couch zuging und sich neben Sera niederließ.
»Sie wird einige Zeit hier bleiben. Ich werde ihr eine Unterkunft suchen, das versprech ich dir. Aber Daniel hat angerufen, er kann sie nicht länger bei sich halten. Es ist das eingetroffen, wovor ich seit Jahren Angst hatte.«
»In Ordnung, die Umstände waren mir nicht bekannt. Selbstverständlich kann sie erstmal hierbleiben«, sprach Sera aus, was mich dazu verleitete meinen Blick zu erheben. Sofort schaute ich in die haselnussbraunen Augen meines Vaters, deren Blick ernst auf mir lag. Wie immer war ihm alles bekannt. Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lippen, als er sich schon wegdrehte.
»Es wäre nett, wenn du sie deinen Freunden vorstellen würdest und ihr ein wenig die Stadt zeigst. Sie wird hier alles neu aufbauen müssen«, sprach er zu Bradley gewandt. Ich brauchte ihn nicht einmal ansehen, um zu wissen, dass es ihm nicht recht war. Jetzt würde ich mich nicht nur in sein Zimmer drängen, sondern auch in sein Privatleben. Welcher junger Erwachsener fände das schon gut?
»Natürlich, Richard«, sprach Bradley ruhig aus und wendete sich an mich.
»Würdest du mir folgen, Ricarda?« Mein Blick wandte sich zu dem jungen Mann. Lässig lehnte er am Türrahmen, während sein Blick abwartend auf mir lag.

Bradleys Zimmer lag im ersten Obergeschoss des Hauses. Selbst hier konnte man den Wohlstand meines Vaters erkennen.
»Fühl dich wie zuhause«, erklang seine ruhige Stimme hinter mir, was ich mir nicht zweimal sagen ließ. Sofort ließ ich mich auf sein Bett fallen und starrte regungslos an die Decke. Immer noch wollte ich nicht verstehen, warum ich nicht einfach wieder nach Hause konnte. Das Bett bewegte sich leicht, Bradley musste sich neben mich gesetzt haben.
»Wenn du nachher meine Freunde kennenlernst, wunder dich nicht, die sind ein bisschen komisch.« Ich nickte nur, dieses Thema ließ mich an meine Clique denken. Allein der Gedanke könnte mir Tränen in die Augen schießen. Bereits nach diesen wenigen Stunden vermisste ich jeden Einzelnen von ihnen. Doch allen voran fehlte mir mein Bruder. Ohne seine freche und zugleich beschützende Art schien der Tag recht langweilig zu werden. Vater wollte mich hier nicht wirklich haben, seine Lebensgefährtin schon mal gar nicht, das war mir längst bewusst. Warum sollten sie auch ausgerechnet mich hier haben wollen? Ich war zwar seine Tochter, aber dennoch passte ich nicht in diese Familie. Meinen alten Herren erinnerte ich obendrein jedes Mal an seine Fehler. Auch wenn er Mutter fremdgegangen sein sollte, er liebte sie über alles, da war ich mir sicher. Ein leises Seufzen entglitt mir, die ganze Situation war anders, als ich es mir vorgestellt hatte.
»Rica?«, durchbrach Bradley leise die Stille. Sofort drehte ich mich in seine Richtung und nickte leicht.
»Was ist vorgefallen, dass du hier bist?« Erstaunt betrachtete ich ihn. Nie im Leben hätte ich damit gerechnet, dass es ausgerechnet ihn interessieren würde. Einige Zeit überlegte ich, wo genau ich anfangen sollte, immerhin fing das Ganze nicht erst in der letzten Nacht an.
»Weißt du, nach Mutters Unfall...«, fing ich eine Erklärung an und erzählte ihm so ziemlich alles, was vorgefallen war.
»Ich hatte schon damit gerechnet, dass du irgendwas ausgefressen hast, aber in dem Fall versteh ich Richards Verhalten«, kommentierte Bradley meine Erlebnisse und strich mir lächelnd eine Strähne aus dem Gesicht.
»Du wirst dich hier schnell einleben. Der erste Abend wird der Schlimmste, danach wirst du dich wohlfühlen.« Er schien sich bei seinen Worten sicher zu sein, zumindest verrieten seine Blicke nicht den geringsten Zweifel. Für mich hingegen stand bereits fest, das ein Neuanfang bei weitem nicht so leicht werden würde, wie einfach so zutun, als sei nichts gewesen. Bisher brauchte ich mich um nichts selber kümmern, Daniel hatte alles geregelt und darauf aufgepasst, dass nichts schief lief. Doch dies wäre jetzt vorbei, von Sera bräuchte ich dies nicht erwarten und selbst Bradley schätzte ich nicht so zuvorkommend ein. Mein Bruder hatte mich einfach in allem Verwöhnt und ab jetzt sollte dieser Umstand ein jähes ende nehmen. Erneut seutfte ich und wandte meinen Blick sogleich wieder zur Decke.
»Ich glaube nicht, dass ich hiermit zurechtkommen werde«, hauchte ich leise aus,fest davon überschlossen, dass die erste Zeit die unangenehmsten Wochen meines Lebens werden würden. Selbst die Lust auf den Abend war mir bereits vergangen. Was bitte sollte ich für einen ersten Eindruck auf Bradley hinterlassen? Ich war keins dieser ruhigen Mauerblümchen, ich hatte es genauso faustdick hinter den Ohren wie mein Bruder.
»Du machst das schon, und damit du nicht zu viel über deine Zukunft nachdenkst, mach dich fertig, wir gehen danach los.« Mit diesen Worten stand er auf und ging aus dem Raum raus.

Ganze zwei Stunden später stand ich fertig im Zimmer. Die meiste Zeit hatte ich damit verbracht, um das richtige Outfit zu finden, bis ich beschlossen hatte, einfach das zu nehmen, in dem ich mich am wohlsten fühlte. Jetzt stand ich vor Bradley, der allem Anschein nach Probleme hatte, seine Blicke von mir zu nehmen.
»Und?«, fragte ich mit einer gespielten zuckersüßen Stimme und beobachtete ihn lächeln, während sein Blick mich musterte. Es wunderte mich nicht, eine rote Corsage verdeckte mehr gezwungen meine Oberweite, dabei war die schwarze Verschnürung an der Vorderseite nur so weit zugezogen, dass es auch etwas aussah. Mein Körper war nicht unbedingt für solche Kleidung gebaut, mein Vorbau war weitaus größer, als ich für passende Korsagen brauchen konnte. Zu meiner Taille passte er gar nicht und so hatte ich mir angewöhnt, die Corsagen nicht durchgängig gleich eng zu schnüren. Bei der Brust schnürte ich sie jedoch immer so eng es möglich war, ohne mich in meiner Bewegungsfreiheit einzuschränken. Mein Unterkörper wurde durch einen schwarzen Minifaltenrock mehr schlecht als recht abgedeckt. Meine Freunde würden nun sagen, dass gerade mal die wichtigsten Stellen mit einem Fetzen Stoff bedeckt wurden, aber das störte mich nicht weiter. Ich liebte diesen Rock, ein angenähter Nietengürtel und die Zierstrumpfhalter gaben ihm das gewisse etwas. Im Gegensatz zum Outfit selber, trug ich eher legere Stiefel, kleine Schnallen zierten den Knöchel, dafür waren sie aber äußerst bequem und sahen obendrein schick aus. Was sollte man mehr von einem Paar Schuhe erwarten? Langsam schritt ich an ihm vorbei bis zu meiner Tasche, die offen auf seinem Schreibtischstuhl darauf wartete weiter ausgeräumt zu werden. Mein Mantel lag dort drin und ohne diesen würde ich nicht vor die Tür gehen. Ein paar Handgriffe und schon hatte ich ihn in der Hand. Es war ein dunkler Fleecemantel mit weit schwingendem Saum, vorne hatte er zwei Taschen mit Fellimitat-Applikationen, diese waren ebenfalls an den Ärmeln. Die Verschlüsse waren herzförmig und am Rücken konnte man ihn mit einer Schnürung auf die Figur anpassen. Alles in allem war er sehr bequem und hielt auch an kalten Tagen warm. Jetzt fehlte nur noch die Kette, die mir Daniel vor zwei Jahren zum Geburtstag schenkte, sie gab mir immer Kraft, wenn ich mich unwohl fühlte. Der Anhänger bestand aus zwei Drachen, einer schwarz, der Zweite Silber, dies symbolisierte das dämonische und das himmlische, beide sahen sich an und hielte zusammen einen blutroten Herzkristall in ihren Klauen.
»Okay, jetzt hast du mich geschockt«, sprach mein Gegenüber leise aus, legte aber besondere Betonung auf das Ende des Satzes. Ein Lächeln konnte ich mir in dem Moment nicht verkneifen, so drehte ich mich langsam zu ihm. 

»Ich bin weiterhin dieselbe. Immer noch die Tochter eines Firmenleiters und ich weiß auch in solch einem Outfit seinen guten Ruf zu wahren.« Durch seine Aussage entschloss ich mich kurzfristig nur ein dezentes Make-up aufzulegen. Smokey Eyes würden ihm wahrscheinlich jetzt den Rest geben und meinen ersten Eindruck bei seinen Freunden erschreckend verschlechtern. Bradley nickte kurz und sah darauf an sich hinab. Seine Kleidung war locker, eine Designerjeans und ein weißes Hemd. Jetzt war ich mir nicht mehr sicher, ob ich in meinem Outfit richtig gekleidet war. Zögerlich trat ich ein paar Schritte auf den Man vor mir zu und legte meine Kopf spielerisch in die schräge. Meine Blicke wandten sich nicht von seinem Gesicht, während ich ihm leise eine Frage stellte:
»Nimmst du mich so mit?«
»Klar, warum nicht? Das Outfit ist heiß«, sprach er gelassen aus. Das Lächeln auf seinem Lippen, dass sich bei diesen Worten bildete, war kaum zu übersehen und so gingen wir ohne weitere Unterhaltungen aus dem Haus in einen ungewissen Abend.

Montag, 24. September 2012

let me be yours - Kapitel 4

So schnell er mich gefasst hatte, wandte er sein Gesicht von mir ab. Ruckartig umfasste er mein Handgelenk und riss förmlich meine Hand aus seiner Hosentasche, während er sich von mir weg drehte.
»Scheiße verdammt! RIO!!!«, fluchte er gereizt und achtete mich dabei keines Blickes. Im Augenblick hatte ich nicht daran gedacht, was ich hier eigentlich gemacht hatte. Wahrscheinlich war selbst ich zu betrunken, um daran zu denken, was für Gedanken ich in dieser Situation in seinen Kopf gedrängt haben musste. Es dauerte nur einen kurzen Moment, da stand Rio bereits mit einem verständnisvollen Lächeln neben uns.
»Kein Problem, ich penn bei euch.« Es war sicherlich das Beste, was gerade passieren konnte. Wenn ich getrunken hatte, war ich unbeholfen wie ein kleines Kind und provozierte solche Situationen, weil ich einfach nicht nachdachte. Bei solchen Gegebenheiten wäre es für Daniel nur umso schwerer, währenddessen einen klaren Gedanken zu halten. Allein das gerade verstrichene Geschehen, zeigte zu deutlich, wie naive ich war, wenn ich getrunken hatte. In meiner Handtasche befand sich ebenfalls ein Schlüssel, dennoch kam ich nicht im geringsten auf die Idee, lieber diesen zu nehmen. Nein, ich musste eher Daniel seine Last erschweren. Augenblicklich drehte ich mich zur Türe und schloss auf, denn immerhin hatte ich bereits den Schlüssel meines Bruders in der Hand, und schritt danach gefolgt von den beiden in den Flur. Daniel hielt sich unmittelbar in Rios nähe auf und beide stockten, nachdem die schwere Haustür zurück ins Schloss fiel. Sofort drang das Getuschel der beiden Männer bis zu mir durch, ich wusste zwar nicht, welches Thema sie angeschlagen hatten, aber ich vermutete, dass es dasselbe sein würde, wie bereits auf der Straße. Sicherlich versuchte der Latino meinen aufgebrachten Bruder mit aller Gewalt davon zu überzeugen, dass es nicht richtig wäre, diese Gefühle zuzulassen. Eigentlich hatte er damit auch recht, unter Geschwistern gehörte sich ein solches Verhalten einfach nicht, es war ungesittet und unmoralisch. Es war besser, dass er hier schlafen würde, ich wüsste nicht, wie lange ich Daniel hätte standhalten können. Normalerweise konnte er alles von mir verlangen, dafür, dass er mir seine ganze Jugend geopfert hatte und immer für mich da war, war ich ihm so dankbar, dass ich ihm fast jeden Gefallen tat. In meinem jetzigem Zustand ging ich sogar davon aus, dass ich selbst darauf eingegangen wäre, denn was anderes war es vor dem Polizeirevier auch nicht.

Ich hatte mich gerade erst schwankend aus den unbequemen High Heels befreit, als sich eine Hand auf meine Schulter legte und diese mit einer leichten Festigkeit umgriff. Augenblicklich fuhr ich herum und blickte direkt in die türkisen Augen Daniels.
»Rica, es wäre besser, wenn...«, er stockte mitten im Satz, dass was er sagen wollte schien ihn von innen heraus aufzufressen und seine gänzliche Kraft aufzubrauchen. In seinem Gesicht konnte ich sehen, dass er innerlich mit sich selbst kämpfte.
»Ich will dir nicht wehtun, deshalb solltest du zu Vater ziehen.« Ich ahnte, wie schwer es für ihn sein musste, diese Worte über seine Lippen zu bringen und dennoch breitete sich in mir ein ungutes Gefühl aus. Was wäre, wenn er mich weg schickte und Vater immer noch nicht über Mutters Tod hinweg wäre, wäre ich dann gänzlich ohne zuhause?
»Daniel...« Augenblicklich legte er einen Finger auf meine Lippen und starrte mich an. Im gedämpften Licht, welches auf sein Gesicht drang, sah es so aus als stünden ihm Tränen in den Augen und sich bereits ein paar vereinzelte ihren Weg über seine Wangen gesucht hätten. Ich konnte nicht sicher sagen, ob es wirklich der Fall war, dafür war die Lichtquelle einfach zu schwach. Vorstellbar war es auf jeden Fall, diese ganze Situation musste ihn an die Grenzen führen, sonst würde er niemals erwägen, ausgerechnet diesen Schritt gehen zu wollen. Doch die Tatsache, dass Rio im selben Raum stand wie wir, machte es eigentlich unmöglich. Niemals würde Daniel sich die Blöße geben, selbst nach Mutters Unfall hatte er vermieden, seine Trauer vor mir zu zeigen.
»Wenn ich dich nicht zu ihm schicke, werde ich dich verletzen. Das will ich noch weniger, ich brauche dich.« Seine Stimme war nur ein kaum verständlicher Lufthauch und dennoch reichte es, um mir den ernst der Lage zu verdeutlichen. Stumm nickte ich, jedes Wort das ich hätte sagen können, wäre überflüssig gewesen. Daniel hatte seine Meinung bereits kundgegeben und widersprechen wäre nicht drin gewesen. Für ihn wäre es sicher das Beste, etwas Abstand zu mir zu gewinnen und etwas alleine zu unternehmen. Wahrscheinlich würden seine Gefühle zurückgehen, wenn sie nicht dauernd aufeinander hockten. Ich war mir sicher, dass er sich diese nur einbildete. Für einen Moment lehnte ich mich an ihn, nur einen Augenblick, in dem ich überlegte, was ich ihm sagen könnte, ohne ihn zu verletzen. Innerlich war ich meiner Gefühle nicht schlüssig. Einerseits loderte in mir eine Wut, dass er mich wegstieß und alleine lassen wollte, doch andererseits konnte ich ihn verstehen. Daniel lächelte sanft, als ich mich wegdrehte, wahrscheinlich wäre es vorerst das letzte Mal, dass ich ihn sah. Ich kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er morgen früh nicht hier wäre, da er sonst gegen seine Entscheidung vorgehen würde, um mich aufzuhalten. Doch für heute reichte es, die ganze Aufregung hatte mich mitgenommen und gerade sehnte ich mich nur noch nach meinem Bett. Ich würde noch schnell meine Tasche mit den nötigsten Sachen packen und dann schlafen gehen, was anderes konnte ich für Daniel nicht mehr machen.
Ich stand gerade am Treppenansatz, als ich einen dumpfen Knall hörte. Mein Bruder musste gegen die Wand geschlagen haben. Sicherlich war es sein Hass darauf, dass ich seine Schwester war. Zwangshaft drängte ich mich dazu, mich nicht zu ihm zu drehen, ich wollte ihm nicht seine Stärke nehmen. Nichtsdestotrotz machte ich mir Sorgen um ihn, was sollte aus ihm werden, wenn ich nicht da wäre? Nur einen kurzen Moment wollte ich mich umdrehen, nur einen Augenblick in ihm das sehen, was er in mir sah, um ihn besser zu verstehen. Langsam ging ich die Treppe weiter hoch, ich hatte gerade die letzte Stufe, da ertönte seine Stimme, leise, aber deutlich genug um meinen Namen zu verstehen. Augenblicklich drehte ich mich um, ich hatte darauf gewartet, dass er mich ruft, dass er mich stoppt und mir sagt, dass ich hier bleiben sollte. Derzeit wollte ich nicht weg, nicht von ihm, er war meine ganze Familie und nie käme ich ohne ihn zurecht. Daniel sah mich nicht an, er stand mit dem Gesicht zur Wand, es war ein elender Anblick, der mich tief erschütterte. In den ganzen Jahren hatte ich ihn nicht einmal so gesehen und wir hatten bereits einiges durchgemacht. Rios Hand lag auf der Schulter meines Bruders. Ohne ihn würde Daniel an dieser Situation gänzlich zerbrechen.
»Ricarda...ich...ich liebe dich«, drang seine zitternde Stimme durch die Stille.
»Ich weiß, dass Vater es nicht erlauben würde und du daran zerbrechen würdest, deshalb möchte ich, dass du gehst.« Dies war das erste Mal, dass er diese Worte aussprach, die Andeutungen von Steve waren keine Seltenheit und Daniel konterte immer mit den unterschiedlichsten Antworten. Niemals nahm ich auch nur ein Wort ernst, doch dies hier war purer Ernst, er wusste genau, welche Worte er nutzte. In dieser Situation kam Daniel mir nicht betrunken vor, wie es vorher der Fall war. Sogar seine Stimme war klar. Ihm konnte man ohne weiteres zutrauen, dass er den Abend lang ohne Alkohol verbracht hatte, da er immer Cola-Rum trank. Es wäre niemandem aufgefallen, wenn er pure Cola getrunken hätte. Ich wollte wieder zu ihm, in mir loderte das Verlangen einfach meine Arme um ihn zu legen und mich an seinen starken Körper zu lehnen, so wie ich es sonst gemacht hatte. Doch als ich ansetzte die ersten Schritte hinab zu machen, sah Rio zu mir hinauf, seine Augen blitzten finster auf.
»Ricarda, bleib oben! Pack einfach deine Tasche«, seine Stimme war befehlend. Für einen Moment erschrak ich, von ihm war ich diese kälte am wenigsten gewohnt, doch ohne ein Wort, nur mit einem Nicken versuchte ich dies nicht weiter zu beachten. In diesem Moment hätte mich Rio nicht bis Daniel durchgelassen, als eingeweihter Außenstehender wusste er, was besser für uns beide war. Schnell eilte ich zum Wandschrank und zog eine Reisetasche heraus. Erst danach betrat ich mein Zimmer und schaute mich um. Ein sanftes goldgelbes Licht ließ meinen Raum erhellen und schenkte jedem Centimeter eine angenehme Wärme. Der eichenfarbene Parkettboden wurde zur Hälfte von einem bordeauxroten Teppich verdeckt, der sich nach einigen Jahren gebrauch immer noch erfreulich weich anfühlte. Die Wände in leichtem Caramel gaben dem Zimmer die nötige Freundlichkeit. Gegenüber der Türe prangte ein viertüriger Kleiderschrank mit Spiegeltüren, genau auf diesen ging ich zu, wobei ich den Koffer achtlos auf das Futonbett zu meiner Rechten fallen ließ. Ich zog einige Kleidungsstücke raus, bei denen ich mir sicher war, dass ich diese anziehen würde, und verstaute sie in der Tasche. Erst danach ließ ich mich aufs Bett fallen und starrte regungslos an die Decke. Einzelne Tränen sammelten sich in meinen Augen und rannen über meinen Wangen hinab, während ich darüber nachdachte, dass ich morgen diesen Raum hier verlassen würde. Ab da würde nichts mehr so sein, wie es einmal war.

Am nächsten Morgen riss mich die lärmende Haustürklingel aus dem Schlaf. Sie klingelte bereits einige Zeit, aber bisher war ich zu müde, um mich aus dem Bett zu bewegen. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es bereits Mittag war und mit dieser Erkenntnis machte ich mich auf den Weg, dem Dauerklingler die Türe zu öffnen. Schnell zog ich mir meinen Morgenmantel über, bevor ich die Treppe hinab eilte, damit dieses nervenberaubende dröhnen aufhörte. Vor mir stand Ashleys Freund, Shane, wie immer strahlte er mir freudig entgegen. Seine schwarzen Haare standen ihm wild vom Kopf ab, während seine braunen Augen seine Laune widerspiegelten. Shane gehörte zu den ruhigen aus unserer kleinen Gruppe, gutaussehend, aber meiner Meinung nach einfach zu freundlich. Lächelnd sah er mich an und hob seine Hand, während er ein kurzes
»Morgen« aussprach. Schon drängte er sich an mir vorbei ins Haus und blieb erwartungsvoll hinter mir stehen. Einige Zeit beobachtete ich ihn einfach, doch als von ihm nichts kam, sah ich ihn fragend an.
»Was machst du hier? Solltest du nicht lieber bei Ashley sein?«
»Wie blau warst du gestern, Schätzchen? Ich soll dich abholen und zu deinem Vater bringen. Rio hat mich dafür extra aus dem Bett geworfen, also los jetzt.« Perplex betrachtete ich den jungen Mann vor mir. Mir war der gestrige Abend doch tatsächlich entfallen, doch mit der Aussage Shanes, drang es wieder in mein Gedächtnis. Ohne ein weiteres Wort hing er seine Jacke an die Garderobe. Er würde nicht einfach wieder gehen, so viel stand bereits fest, folglich musste ich mich fertigmachen.
»Du bist auch ein wenig naiv, oder? Meinst du, dass mit dir und Rio hat noch einen Sinn, jetzt wo du zu deinem Vater ziehst?« Verwundert, was er mit diesem Satz meinte, drehte ich mich wieder zu ihm um. Er sprach von Rio und mir. Ohne mir die Chance zu lassen, mich zu erklären, lehnte er sich lässige gegen das Treppengeländer und sprach weiter.
»Steve meinte irgendwie sowas. Ihr sollt wohl die Nacht zusammen verbracht haben. Es geht mich zwar nichts an, aber ich weiß nicht, ob ausgerechnet ihr beide zusammenpassen würdet.« Kopfschüttelnd betrachtete ich Shane. In meinen Erinnerungen des letzten Abends gab es keinerlei solcher Informationen. Doch als ich sein immer breiter werdendes Lächeln bemerkte, wurde mir bewusst, was er meinte. Unbeholfen verfiel ich in einen Lachkrampf und schaffte es nicht, mich zu beruhigen. Jeder hier wusste, dass ich nicht zu Rio passen würde. Eigentlich hätte ich auch nicht damit gerechnet, dass die Aussage des Latinos solch einen Tumult bringen könnte. Auf dieses Gespräch könnte ich mich nicht ernsthaft einlassen. Weder würde ich Rio und Daniel in den Rückenfallen, noch könnte ich Diskussionen führen, ohne in einen weiteren Lachanfall zu bekommen.
»Shane, ich geh meine Tasche holen und danach fährst du mich zu meinem Alten, ganz ohne Kommentar, verstanden?«, fuhr ich ihn mehr oder weniger an. Er nickte kurz, doch sein Grinsen, dass er dabei auflegte, deutete jedoch das genau Gegenteil an. Es wären nur meine Nerven, die er damit zerstören würde.
Schnell eilte ich nach oben und packte mir einige Klamotten, bevor ich zum Bad schritt, um erst einmal zu duschen. Während das Wasser so auf mich niederprasste drifteten meine Gedanken ab. Immer mehr stellte ich mir die Frage, ob an dem was Shane sagte, mehr war als nur eine Vermutung von Steve. Alle Erinnerungen des Abends waren nur einige Bröckchen. Im Zusammenhang konnte ich mich an nichts besinnen. Vielleicht sagte er die Wahrheit und ich hatte die Nacht mit Rio verbracht, aber andererseits hätte er das niemals Daniel angetan. Es könnte auch einfach nur ein Gerücht sein, das Steve als Rache in die Welt gesetzt hatte. Am besten wäre es, wenn ich einfach warte und später mit Rio und meinem Bruder darüber reden würde. Das gäbe mir die Gewissheit über das Geschehen. Doch dann kam mir der Gedanke, was geschehen könnte, wenn es der Wahrheit entsprach und Daniel es mitbekommt. Irgendwie schien gerade alles schief zu laufen, was nur ging. Mein Leben stellte sich durch die letzte Nacht komplett auf den Kopf und einen einfach Ausweg fand ich nicht. Wahrscheinlich wäre es gerade einfach das Beste, wenn ich zu meinem Vater gehe und versuche alles zu vergessen. Ein neues Leben anfangen und nicht zurück schauen, so als sei nie irgendwas geschehen. Entschlossen diesen Weg zu gehen, stieg ich aus der Dusche und schlüpfte in eine schlichte Jeans und ein lockersitzendes Tanktop. Shane wartete bereits ungeduldig auf mich, als ich die Treppen samt Koffer hinunterging. Das Geschehen war irgendwie irritierend alles war so anders, als ich es gewohnt war. Zum ersten Mal in meinem Leben sollte ich einen wichtigen Schritt ohne Hilfe machen. Ich fühlte mich alleine, alles glich für mich einem Albtraum, aus dem ich nicht erwachen konnte. Sanft legte Shane seine Hand auf meinen Rücken und bugsierte mich zu seinem Wagen, der sich unmittelbar vor der Haustür befand. Der nachtblaue BMW fiel sofort ins Auge und schon saß ich drin. Mein Schicksal drang unabwendbar auf mich zu.
»Na dann, auf zu deinem alten Herren. Mal schauen, was er sagt, dass du so plötzlich vor seiner Türe stehst.« Ich nickte nur, die Worte waren mir bereits vergangen. Für Shane ging alles wie eine Leichtigkeit vorbei, doch für mich fiel eine Welt zusammen. Die Ungewissheit, ob ich jemals wieder herkommen würde und mein normales Leben führen könnte, lag mir schwer im Magen.
»Demnächst kannst du mit Ashley zusammenziehen. Soweit ich gehört hab, zieht sie durch ihrem geplantes Studium in die Nähe.«
»Falls ich es überhaupt so lange da aushalte«, konterte ich und fixierte mich auf die Straße. Shane lachte, während er mir sanft gegen die Schulter schlug.
»Dein Vater wird dich schon aufnehmen. Er liebt dich, so wie es sich für einen Vater gehört.« Seine Ansicht nahm mir einen Teil meiner Angst, dennoch befürchtete ich, dass er sich irrte. Mein Glaube bestand darin, dass er mich hasste, weil ich aussah, wie Mutter, und er jedes Mal seine Fehler sah, wenn er mich betrachtete. Ich war mir sicher, dass er eine neue Familie gegründet hatte. Mutter war immerhin auch schon seine zweite Frau. Die Erste hatte ihn für einen anderen Mann verlassen.
Über eine Stunde fuhren wir durch die Gegend, dann bog Shane auf einen kleinen Parkplatz mitten in einer Wohngegend. Die Häuser hier lagen nicht so weit auseinander, wie da, wo ich bislang wohnte, aber dennoch konnte man dieser Gegend ihren gehobenen Stand ansehen. Meine Hände zitterten vor Anspannung, als er den Motor abstellte und sich in meine Richtung drehte.
»So Prinzesschen, wir sind da. Pass auf dich auf und meld dich zwischendurch, okay? Ich brauch jemanden, falls ich Probleme mit Ashley hab.« Mit diesen Worten brachte er mich zum Lächeln. Eigentlich schaffte er es immer wieder. Früher sagte ich immer, er war ein Idiot, weil er jedem alles stur ins Gesicht sagte, doch dieser Mann war wirklich liebenswürdig. Mit seinen Beziehungsproblemen kam er oftmals zu mir und so lernte ich ihn von anderen Seiten kennen. Einen kurzen Kuss hauchte ich auf seine Wangen, während ich die Türe öffnete.
»Pass mir auf Dan auf, okay?« Er nickte lediglich und schon stieg ich aus. Noch länger hier sitzen zu bleiben, würde nur meine Entscheidung beeinflussen. Mit meinem Koffer bepackt schritt ich zur Türe. Von aussen sah das Haus wirklich groß aus, es wirkte sogar größer als das, in dem ich mit Daniel wohnte. Auf dem Klingelschild entdeckte ich zwei Namen, ‚Crawford‘ und ‚Anderson‘. Irgendwie hatte ich es bereits geahnt. Vater gehörte nicht zu den Menschen, die lange allein sein konnten. Ich klingelte und wartete, dass mir jemand öffnete. Innen polterte es, es kam mir bekannt vor, wenn Daniel zur Tür rannte, klang es nicht anders. Die Türe wurde aufgerissen, vor mir stand ein junger Mann, er hatte nur eine Hose an, sie war geöffnet, wahrscheinlich hatte er sie sich gerade erst angezogen. Er sah mich mit seinen blassbraunen Augen an, sie wirkten leicht irritiert, mit seiner Hand fuhr er durch sein kurzgeschnittenes dunkelbraunes Haar.
»Kann ich ihnen helfen?«

Sonntag, 23. September 2012

let me be yours - Kapitel 3

Noch vollkommen perplex von dem vergangenen Geschehen versuchte ich meinen Körper wieder unter Kontrolle zukriegen. Erst als ich realisierte, was eigentlich passiert war, spürte ich, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. Doch abrupt wurde ich in die Realität zurückgezogen, als Daniel grob nach meiner Hand fasste und sich vor mir aufbaute. Die Anspannung durchzog mich, als ich über seine Schulter zu der Person sah, die uns entgegen kam. Auch wenn er den Störenfried bereits erkannt zu haben schien, tappte ich immer noch im dunklen, bis er auf einmal ins Licht der Laterne trat und mir sogleich die Spucke im Mund wegblieb. Vor uns stand Steve, welcher meinen Bruder mit abschätzendem Blick betrachtete.
»Du hast nichts gesehen«, erklang die eiskalte Stimme meines Bruders in der Stille und jagte mir abrupt einen schauer über den Rücken. Er war sprunghaft, was seine Emotionen betraf, aber nur sehr selten erlebte ich ihn so kalt mit einem Hass, der selbst mich erzittern ließ.
»Dan, es ist okay«, hauchte ich leise aus. Die Angst davor, seine aufbrausende Art könnte überhandnehmen und er dadurch mehr Probleme bekam, als ohne hin schon der Fall war, übermannte mich. Gänzlich davon abgesehen, dass unser Gegenüber zum Freundeskreis gehörte, wäre dies keine günstige Position für einen Streit, immerhin standen wir weiterhin in unmittelbarer Nähe des Polizeireviers. »Was bietest du mir fürs Schweigen?«, allein anhand seiner Tonlage konnte ich das Grinsen in seinem Gesicht vernehmen. Instinktiv verkrampfte ich meine Finger in Daniels Hemd. Diese Situation war mir nicht geheuer. Mein Bruder spannte seinen Körper an, während er seinen Gegenüber fixierte. Nicht einen Augenblick löste er seinen Blick von diesem. Abrupt merkte ich, wie sich Daniel ein Stück nach vorne bewegte. Sofort spürte ich wieder die Angst, ich wollte nicht, dass ihm etwas passierte, weder, dass er Verletzungen erlitt, noch dass ihn Gesetzeshüter erwischten. Zu meiner Verwunderung hielt er mitten in der Bewegung inne und drehte sich zum Polizeigebäude.

»Ich hätte wetten können, dass ihr euch bereits an die Gurgel gesprungen seit«, drang Rios Stimme aus der ferne in unsere Richtung. Noch nie war ich so froh, ihn zu hören, wie in diesem Moment. Erleichtert seufzte ich auf und lockerte meinen Griff, der sich bereits schmerzhaft durch meine Finger zog.
»Du solltest dich raushalten!«, zischte Daniel Steve entgegen, während er mich hinter sich hervorzog und seinen Arm schützend um mich legte. Gerade rechtzeitig hatte mein Bruder seinen Satz beendet, den in jenem Moment traf auch Rio bei uns ein und wechselten seine Blicke zwischen Daniel und seinem Bruder. Der ältere Latino erkannte augenblicklich die Situation, selbst ohne Worte ahnte er, was hier passierte. Sofort schwang er einen Arm um Daniels Hals, zog ihn zu sich herüber und wuschelte ihm durchs Haar.
»Los ab nach Hause, wenn wir noch länger warten, ist die Nacht vorbei und ich brauch mich nicht mehr hinlegen, bevor meine Schicht beginnt. Ash wird nachher zu Shane gehen. Mum würde uns umbringen, wenn sie davon Wind bekommt, dass ausgerechnet ihre Prinzessin in der Ausnüchterungszelle gelandet ist.« Kaum hatte er seinen Satz zu Ende geführt, drückte er uns um die Ecke. Mit einem tiefen Lachen hielt Steve meinen besten Freund in seiner Bewegung auf und hob seine Hand in desen Richtung, der nur kopfschüttelnd darauf antwortete.
»Ich hab gewonnen Alter, rück die Mäuse raus. Mir war klar, dass dieser Aufreißer nicht mal vor seiner Schwester halt macht. Er kennt wirklich keinerlei Moral!« Mit einem Blick zur Seite konnte ich direkt sehen, dass Steve zu weit ging. In Daniel nahm die Wut erneut überhand, dass dünne Eis auf dem sich unser Gegenüber befand, begann unter seinen Füßen zu brechen, ohne dass er es bemerkte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er Daniel mit Absicht provozierte.
»Hör auf so einen Schwachsinn zu verzapfen, die Kleine gehört bereits geraume Zeit zu mir, kapiert?« In diesem Moment durchdrang Rio den Abstand zwischen uns, fasste meine Hand und zog mich in seine Arme. Anfängliche vollkommen perplex lehnte ich mich dann doch an meinen besten Freund. Meinem Bruder passte diese Handhabung nicht, allein an seinem fortwährend festigendem Griff um meine Hand wurde mir genau dies bewusst, dennoch sagte er nicht auch nur ein Wort.
»Das kannst du erzählen, wem du willst, ich hab eben gesehen...«
»Was? Das er sie geküsst hat? Hast du Ashley noch nie geküsst?« Unterbrach Rio seinen jüngeren Bruder und strich mir dabei sanft über den Arm, bevor er mich voran drückte. Der Latino wusste genau, wann der Moment kam Steve in die Schranken zu weisen, bevor Daniel auf Ideen kam, die sicherlich nicht so wortreich aussehen würden. Ich war ihm auch unwahrscheinlich dankbar dafür, denn sonst wären die Situationen schon des Öfteren eskaliert. Wir liefen den langen Weg entlang, etwa ein einhalb Stunden stures geradeaus, bis wir an einem etwas abgelegenen Viertel ankamen. Einige Häuser reihten sich hier aneinander. Jedes mit einem großen Vorgarten, ein bis zwei Garagen und großem Garten hinter dem Haus. Dies war die Wohngegend der gehobeneren Gesellschaft und unser Wohnort seit der Kindheit. Die Curtis wohnten direkt auf der anderen Straßenseite unseres Heimes, folglich legten sie denselben Weg zurück. Die ganze Strecke redeten wir über den Ablauf des Abends, wie jedes Mal gab ich meinem älteren Bruder Tipps, was er verändern könnte. Langsam musste er wirklich seine Aggressionen in den Griff bekommen. Wie immer bejahte er meine Aussagen, aber daran halten würde er sich dennoch nicht. Diese Unterhaltung führten wir schon zum dritten Mal diesen Monat.

Nach einem endloswirkenden Weg kamen wir letztendlich zuhause an. Das weiße Haus, dass fast schon einer kleinen Villa glich, lag direkt in unserem Rücken. Einzig die Straße wurde vom seichten Licht der Straßenlaternen erhellt, während der Rest von der Dunkelheit eingenommen wurde. Mittlerweile war ich so müde, dass ich mich an Rio kuschelte und seine Wärme förmlich aufsog. Doch, als er mich zu sich drehte und seine Lippen ihren Weg zu meinen fanden, war ich schlagartig wach. Erstarrt betrachtete ich ihn mit aufgerissenen Augen, während seine Blicke beruhigend auf mir lagen.
»Bis Morgen, Mäuschen«, sagte er locker und schritt auf Daniel zu, den er sofort ein Stück auf Seite zog. Ich beobachtete die beiden, an dem Gesichtsausdruck meines Bruders konnte ich erkennen, dass das Gespräch mit seinem Gegenüber nicht erfreulich war. Erst als ich Steves Augenmerk auf mir spürte, drehte ich mich vorsichtig in seine Richtung und kämpfte mit mir selber, ihm nicht irgendwas an den Kopf zu werfen. 

»Das mit Rio und dir ist mir neu, seit wann seid ihr ein Paar?« Ich zuckte mit den Schultern und versuchte so lässig wie nur möglich zu bleiben. Mein eiskalter Blick ruhte auf meinem Gegenüber, während ich ihm monoton antwortete:
»Was geht es dich an? Du hast sowieso was gegen mich, vielleicht weißt du es deshalb nicht.« Ein kurzes, kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lippen, worauf er sich in Rios Richtung drehte. Mir war bewusst, dass er wieder irgendwas in seinem Kopf ausheckte.
»Hey Dan, ich wette hundert Dollar, dass du deine Schwester heute knallst!« Augenblicklich fuhr mein Bruder herum, seine Blicke blitzten hasserfüllt auf, nur selten war es so schlimm. Dieses Mal hatte Steve das Fass wirklich zum Überlaufen gebracht. Rio umfasste Daniels Arm, doch es half nichts, er riss sich los und schlug unverzüglich nach meinem Gegenüber.
»Ich weiß selber, dass es sich nicht richtig ist, aber wenigstens bin ich nicht so feige wie du!« Das hatte gesessen, Steve starrte ihn nur stumm an, sein Mund weit geöffnet, aber nicht den Hauch einer Ahnung, was er sagen könnte. Entweder er befürchtete noch eine Backpfeife abzubekommen, oder Daniel traf mitten ins Schwarze. Ich hasste nichts mehr, als dass sich die beiden stritten, irgendwann würde dies dafür sorgen, dass uns der Kontakt verboten werden würde. Mein Bruder sah mich nur an und schon wusste ich, dass er nach Hause wollte. Eigentlich brauchte er nie etwas sagen, man konnte es mit einer Seelenverwandtschaft vergleichen, den so in der Art war es wohl auch. Jeder von uns kannte die Gedanken des anderen, ohne, dass wir sie ansprechen mussten. Nur was noch hinter seiner Fassade steckte, das ahnte ich nicht im geringsten.

Daniel wandte sich von Steve ab und legte abrupt seinen Arm um meine Schulter. Augenblicklich drückte er mich an seine Seite, während er mir sanft einen Kuss auf die Stirn hauchte.
»Denk an meine Worte, Dan«, ermahnte Rio ihn. Scheinbar wusste er bereits um Daniels Gefühlslage. Mir war bewusst, dass ich die letzte Person sein würde, die jemals davon erfahren sollte, dennoch hätte ich es längst merken müssen. Nie hatte er sein eigenes Leben geführt, seit Mutters Tod war er vollkommen für mich da. Er brach seine Schullaufbahn ab, nur um in Vaters Firma zu arbeiten, schränkte seine Freizeit auf ein Minimum, damit er zu jeder Zeit für mich da sein konnte. Selbst unser Freundeskreis wuchs zu einem zusammen. Damals machten wir wenig gemeinsam. Meist hing ich mit Ashley rum, während er seine Zeit mit den Jungs verbrachte. Schnell erhob er seine Hand, aus Wut war ihm die Lust zum Reden vergangen. Sein Griff festigte sich und langsam drückte er mich zur Haustür voran.
»Es tut mir Leid, Rica«, wisperte er, während sich sein Kopf an den meinen lehnte. »Ich wollte niemals, dass es so ausgesprochen wird.«
»Schon gut, es ist in Ordnung. Ich nehme es dir nicht übel«, wisperte ich ihm entgegen. Die ganze Situation war mir gerade zu viel, ich wusste nicht, was ich genau denken sollte, was der Wahrheit entsprach und was einfach nur gesagt wurde, um die Zeit zu vertreiben.
»Lass uns einfach rein gehen und unseren Rausch ausschlafen.« Eigentlich war diese Anmerkung unsinnig, doch wollte ich nicht, dass er meine Unsicherheit bemerkte. Daniel fand immer die richtigen Worte, doch zu diesem Zeitpunkt wusste ich es einfach nicht besser. Er drückte seine Hand zu und hauchte mir zeitgleich einen sanften Kuss auf die Stirn. Schwanken schritten wir den kleinen gepflasterten Weg vom Bordstein bis zu Haustüre. Leise kicherte ich, als wir ankamen, und Daniel durch das Anhalten drohte nach vornüber zu kippen. Schützend stellte ich mich vor den größeren und legte meine Hand auf seinen Brustkorb. Sofort senkte er sein Gesicht und versuchte meinen Blicken auszuweichen. Unbeholfen hob er seine Hand und versuchte dabei seine Hosentasche zu erwischen. 

»Warte, ich helf dir«, hauchte ich, während meine Hand ohne Nachdenken in seine rechte Tasche fuhr, um den Schlüssel rauszuholen. Unvorhergesehen umfasste er meine freie Hand und presste mich Daniel im selben Moment gegen die Türe. Sein warmer Atem drang in mein Gesicht und raubte mir einen Moment den Atem, während er leise ‚verzeih‘ hauchte. Schon lagen seine sanften Lippen erneut auf meinen. Dieses Mal jedoch nicht so vorsichtig wie vorher, sondern verlangend und hungrig auf mehr. Vollkommen überrumpelt sah ich ihn an, als sich seine freie Hand in meinen Schritt drängte und mir so ein leises Stöhnen entlockte. Unverzüglich fand seine Zunge leidenschaftlich zu meiner und neckte diese liebevoll.

Donnerstag, 13. September 2012

Sweet Amoris FanFiktion - Kapitel 6

Genervt erhob ich meinen Blick. Bevor einer von uns etwas sagen konnte, ließ sich der Ungebetene einfach auf einem freien Stuhl nieder. 
»Seit wann hast du Zeit für eine Freundin?«, drang die abschätzende Stimme des Rotschopfes zu uns durch, während er seinen Blick auf den Schulsprecher richtete. 
»Gibt dir die Direktorin nicht mehr genug Aufgaben?« Castiel ließ seinem Gegenüber nicht mal die Chance sich zu äußern, als er sich bereits in meine Richtung drehte. 
»Und du scheinst genauso ranzugehen, wie dein Bruder. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, das sieht man auch bei unserem Blondschopf.« 
»Und du bist extra hergekommen, um uns genau das mitzuteilen?«, konterte ich und sah dabei auf den Tisch. Wie konnte dieser Kerl sich nur so viel rausnehmen? Er kannte mich nicht einmal, aber das Urteilen schien ihm nicht schwer zu fallen. Genervt blickte ich den Rothaarigen an und ließ ein gespieltes Lächeln über meine Lippen rutschen. Doch dieses Unterfangen wurde abrupt unterbrochen, als ich etwas kaltes an meiner Hand spürte und erschrocken aufschrie. Augenblicklich saß ich kerzengerade im Stuhl und starrte auf meine Hand. Castiel hatte Schwierigkeiten sich das Lachen zu verkneifen und erst nachdem er ‚Komm her Demon‘ ausgesprochen hatte, bemerkte ich den Grund. Unter dem Tisch hatte sich ein Beauceron bis zu meiner Hand durchgerungen und mich einmal mit seiner kalten Nase angestupst. Eigentlich wunderte es mich, dass ich diesen großen Hund vorher nicht gesehen hatte, doch schon konnte ich mir selbst ein Lächeln nicht verkneifen.

Castiel beruhigte sich wieder und lehnte seinen Arm auf den Tisch. Ein kleines Stück vorgebeugt betrachtete er ich und drehte sich dann zum Schulsprecher. 

»Ich war eine Runde mit Demon. Doch als ich euch beide hier erblickte, wurde ich neugierig. Ich muss meine Informationen über dich immer auf dem aktuellsten Stand halten, sonst kommst du irgendwann noch auf die Idee, den Schulverweis vorzuschlagen«, sprach dieser aus und grinste dabei gehässig. Die zwei Männer führten ein Gespräch, aus dem ich mich ziemlich löste, Mir war nicht danach mich ausgerechnet mit diesem Rotschopf zu unterhalten und so wartete ich auf das Eis. Als der Becher endlich vor mir stand, betrachtete ich die beachtliche Menge an Eiskugeln. Eigentlich sollte es ein kleiner Erdbeerbecher werden, aber klein war wohl relativ. Vier Kugeln Eis, einen Haufen Sahne und eine Waffel, waren in dem Glas untergebracht. Mit seinen großen treuen Augen saß Demon direkt neben mir und starrte mich abwartend an. Die Eiswaffel trat ich freiwillig an den Hund ab. Bei Hundeaugen wurde ich schon immer schwach. Nathaniel bezahlte am Ende und brachte mich bis zur Haustüre. Den Rotschopf wurden wir nicht los, bis wir uns letzten Endes auf den Weg machten. Betreten wandte der Blonde seinen Blick von mir und malte Kreise mit seinem Fuß auf den Boden. 
»Das mit Castiel war nicht geplant. Eigentlich hatte ich vor dich besser kennenzulernen«, stammelte er leise aus und vermied jeglichen Blickkontakt. 
»Nicht schlimm, es wir sicher noch genug Gelegenheiten geben«, antwortete ich ihm lächelnd und fuhr währenddessen mit den Finger über die Namen der Klingelschilder. Beim Dritten von oben hielt ich inne. 
»Ich würde dich gern rein bitten, allerdings weiß ich nicht, wie Dakota darauf reagieren würde. Weißt du, normal ist er derjenige, der augenblicklich jemanden kennenlernt und mitbringt«, erklärte ich mich leise und hoffte, dass diese Worte nicht falsch rüberkamen. Mit einem verständlichen Lächeln nickte er und verabschiedete sich von mir.

Langsam ging ich die Treppen rauf und legte seufzend meine Tasche auf den Boden. 

»Was willst du von dem Blonden?«, drang Dakotas Stimme zu mir durch, als ich gerade die Tür geschlossen hatte. Dem Aufreißer entging wirklich nie etwas, dauernd wusste er über alles bescheid. 
»Er hat mich lediglich nach Hause gebracht, nachdem mein ach so toller Bruder früher gehen durfte und mich Boris versetzt hat.«, grummelte ich ihm entgegen. Langsam ging ich zum Sofa und ließ mich direkt darauf fallen. Dakota kam augenblicklich aus dem Schlafzimmer und hockte sich vor mir auf den Boden. Lediglich eine Jogginghose verdeckte den unteren Teil seines Körpers. Er liebte es seinen Oberkörper zu zeigen, viele in unserem Alter fuhren auf seine Tattoos ab und wurden dadurch leichter zu verführen. 
»Ich dulde nicht, dass du dich mit jemandem triffst. Dir könnte etwas passieren, Dina«, hauchte er leise aus, während er seine Arme auf meinen Oberschenkel ablegte und seinen Kopf darauf stützte. Ich beachtete ihn nicht weiter, stattdessen ließ ich meinen Hinterkopf auf die Lehne prallen und stöhnte gequält auf. 
»Bei diesem Castiel müsstest du dir mehr sorgen machen. Nathaniel ist ein zuvorkommender junger Mann. Außerdem bin ich nicht wie du, ich brauch nur Freunde und keine Betthasen!« Ich wusste genau worauf er hinauswollte. Ihn störte es, dass ausgerechnet ich vor ihm Bekannte fand. Nur ungern war er der Zweite, was Kontakte anging, doch hatte er sich einen Glanz Start erlaubt. 
»Halt dich von den Kerlen fern!«, zischte er kalt, woraufhin ich ihn entsetzt anstarrte. Solch ein Verhalten war mich vollkommen unbekannt, eigentlich scherrte er sich kein bisschen um mich. 
»Ansonsten werde ich Mittel und Wege finden, damit sie Abstand von dir halten!« Seine Augen wirkten ebenso eisig, wie seine Worte, ich konnte nicht erahnen, warum er auf einmal so war. Die ganzen Jahre über interessierte ihn nicht, was ich tat, doch ausgerechnet jetzt mischte er sich in mein Leben ein und spielte den großen Beschützer. 
»Ich mach das, was mir zusagt und nicht das, was du mir vorschreibst!«, schrie ich ihn an, während ich ihn von mir drückte, ins Schlafzimmer eilte und die Türe hinter mir ins Schloss knallen ließ.

Gähnend streckte ich mich und starrte aus dem Fenster. Der Unterricht war ziemlich langweilig, was die Strapazen der letzten Wochen bemerkbar machte. Ich ging Dakota aus dem Weg, wo es nur möglich war. Nach wie vor wollte er diese Beschützerrolle übernehmen und mir war weiterhin nicht danach klein bei zu geben. Die Pausen verbrachte ich zumeist im Schulsprecherbüro mit Nathaniel und Melody. Nachmittags unternahm ich meist irgendwas, entweder mit Melody und Iris oder ich zog allein durch die Straßen. Eigentlich war ich nur noch zum essen und schlafen zuhause. Doch jetzt saß ich im Unterricht fest, obwohl das Wetter draußen herrlich war. Mathe war dran und das Thema waren irgendwelche Gleichungen. Bei den Zahlen verstand ich sowieso nur Bahnhof, wie sollte es auch anders sein, ich konnte lediglich was mit den künstlerischen Fächern anfangen. Langsam ließ ich meinen Blick über den Schulhof streichen und entdeckte den Rotschopf am anderen Ende auf einer Bank liegen. Ein Buch lag auf seinem Gesicht, aber die Kleidung war eindeutig seine. Dieses Shirt von den Winged Skulls konnte nur seins sein. 

»Fräulein Dina, könnten sie mir die Lösung sagenP«, drang die Stimme meiner Lehrerin zu mir durch. Erschrocken drehte ich mich zu ihr, stellt mich auf und sah betreten auf die Tafel. Die Formel, die dort stand, sagte mir gar nichts. 
»Wie wäre es zur Abwechslung mal, wenn sie dem Unterricht folgen würden? Für Träumereien haben sie nach der Schule noch genug Zeit!« Ich nickte und murmelte ein ‚Entschuldigung‘ vor mir her, während ich mich setzte. Die Dame wollte noch etwas sagen, doch just in diesem Moment drang die Schulglocke durch den Raum. Erleichtert seufzte ich auf, packte meine Tasche und eilte mit den anderen Schülern aus dem Zimmer. Auf den Unterricht hätte ich mich nicht weiter konzentrieren können. In Gedanken versunken schlenderte ich durch die Gänge auf dem Weg zum Schulsprecherbüro und achtete nicht auf den Weg. Es musste so kommen, wie es letztendlich kam. An einer Ecke rannte ich in eine kleine Gruppe von übelsten Modepüppchen rein. 
»Kannst du nicht aufpassen?«, zischte mich die Erste an und strich sich ihre Haare aus dem Gesicht. Erstaunt sah ich auf, während mein Blick an ihrer blonden Lockenpracht hängen blieb. War das die Tussi aus dem Flugzeug? Und wieso fuhr sie mich an, sie hätte doch genauso auf den Weg achten können. Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als eine der Zwei hinter ihr mein Wort abschnitt. 
»Amber, ist das nicht die Kleine von dem Bild am schwarzen Brett?«